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  1. Mit Zielstrebigkeit in ein neues Leben

Maria nimmt Anlauf: Mit Zielstrebigkeit in ein neues Leben

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Noch vier Wochen, dann steigt Maria Schnemilich ins Flugzeug. Zunächst geht es in ein Vorbereitungscamp für die Weltmeisterschaft, anschließend bleibt sie in den USA, um dort zu studieren und ihren sportlichen Weg fortzusetzen.

Die Vorfreude ist groß. Gleichzeitig fällt es ihr nicht leicht, Familie und Freundeskreis für längere Zeit zurückzulassen. „Man merkt, dass die Zeit in Deutschland erst einmal zu Ende geht“, sagt Maria. „Aber ich weiß auch, dass dort ganz viele tolle Momente auf mich warten werden.“

Sieben Disziplinen und ein klares Ziel

Maria ist Siebenkämpferin. Zwei Wettkampftage lang muss sie sich immer wieder auf eine neue Disziplin einstellen. Gerade diese Vielseitigkeit begeistert sie: „Im Mehrkampf muss man zielstrebig bleiben und sich von Disziplin zu Disziplin hangeln.“ Zielstrebigkeit ist auch die erste Eigenschaft, mit der Maria sich selbst beschreibt. Gleichzeitig sei sie hilfsbereit und teamfähig. Für sie gehören Leistung und Gemeinschaft zusammen. „Man sollte immer versuchen, jedem eine Chance zu geben und das Beste in den Menschen zu sehen.“ Bewegung begleitet sie seit ihrer Kindheit. Zunächst betrieb sie Turnen und Leichtathletik parallel, später entschied sie sich ganz für den Mehrkampf. 

Bewegung bedeutet für mich ganz viel Leidenschaft und Spaß. Sie wird immer ein Teil meines Lebens sein.

Vom Rückschlag zum Comeback

Einen besonderen Höhepunkt erlebte Maria 2024 bei der U18-Europameisterschaft. Bei ihrem ersten internationalen Start gewann sie im Siebenkampf die Bronzemedaille.

Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe: Es hat sich alles ausgezahlt bis hierhin.

Doch ihr Weg verlief nicht immer geradlinig. Verletzungen und Krankheiten zwangen sie im vergangenen Jahr zu Pausen."In solchen Zeiten ist es am wichtigsten, sich daran zu erinnern, warum man das alles macht und warum man damit angefangen hat.“, so Maria.

Maria arbeitete sich zurück, steigerte sich erneut und schaffte parallel zum Abitur die Qualifikation für die U20-Weltmeisterschaft.

Jedes Comeback ist besser als das Setback.

Für Maria beschreibt dieser Satz die Erfahrung, dass eine schwierige Phase nicht das Ende einer Entwicklung sein muss.

Zwischen Unterricht und Training

Seit der fünften Klasse besuchte Maria die CJD Christophorusschule Rostock. Der Leistungssport war der Grund, weshalb sie ans CJD kam. Doch Schule und Training dauerhaft miteinander zu verbinden, verlangte ihr viel ab. Wegen Wettkampfreisen fehlte sie häufiger im Unterricht. Lernstoff musste nachgearbeitet, Prüfungen vorbereitet und Trainingszeiten in den Schulalltag integriert werden.

Ein gewisser Druck ist sowohl sportlich als auch schulisch immer da.

Die Schule passte den Stundenplan an das Training an, ermöglichte Frühtraining und unterstützte Maria beim Nachholen versäumter Inhalte. „In Kombination mit dem Leistungssport wäre es anders wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen“, sagt sie. „Zumindest wäre ich heute nicht da, wo ich bin.“ Eine wichtige Entscheidung war auch der Umzug ins Internat. Die langen Wege nach Hause kosteten zunehmend Kraft. Im Internat wurden die Wege kürzer, gleichzeitig lernte Maria, selbstständiger zu werden. „Es war erst einmal schwer, von zu Hause weg zu sein. Aber für mich war es das Beste, was ich hätte machen können.“

Nicht nur Sportlerin, sondern Mensch

Wenn Maria über ihre Schulzeit spricht, geht es nicht nur um Stundenpläne und Trainingszeiten. Besonders wichtig war ihr die Gemeinschaft. „Alle sind unterschiedlich und alle sind aus einem bestimmten Grund da“, sagt sie. „Ich habe dort ganz viele tolle Menschen kennengelernt.“ Auch die Gottesdienste erlebte sie mit der Zeit als verbindend. 

Ich finde, das stärkt die Gemeinschaft noch einmal. Und ich glaube, das hat mir viel für meine Zukunft mitgegeben.

Im Leistungssport wird ein Mensch schnell über Punkte, Zeiten und Platzierungen wahrgenommen. An der Schule erlebte Maria jedoch auch, dass sie nicht nur als Athletin gesehen wurde. „Man fühlt sich dort auf jeden Fall sehr gut aufgehoben.“ Für Maria war Schule deshalb mehr als ein Ort, an dem sie einen Abschluss erreichte. Sie konnte dazugehören, Beziehungen aufbauen und sich als Persönlichkeit entwickeln.

Nun liegen die Weltmeisterschaft, das Studium in den USA und viele neue Erfahrungen vor ihr. Ihr großer Traum bleibt bestehen: eines Tages bei Olympischen Spielen zu starten. Bis dahin geht Maria weiter – Schritt für Schritt, von Disziplin zu Disziplin und von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt.

 

Über die CJD Christophorusschule Rostock

Die CJD Christophorusschule Rostock verbindet gymnasiale Ausbildung mit gezielter Leistungssportförderung. Individuelle Stundenpläne, Förderunterricht
und abgestimmte Trainingszeiten helfen, Schule, Wettkämpfe und Trainingslager miteinander zu vereinbaren. Dabei geht es auch um Persönlichkeitsbildung, Selbstständigkeit und einen guten Schulabschluss.

Über die Produktionsschule Wolgast

Die Produktionsschule in Wolgast ist ein praxisnaher Lern- und Lebensort für junge Menschen, die Orientierung und Unterstützung brauchen. In einem geschützten Rahmen erhalten sie individuelle Begleitung, entdecken ihre Stärken und probieren sich beruflich aus, etwa in Werkstätten oder Praktika. Ein Team aus Pädagoginnen und Pädagogen stärkt ihr Vertrauen, fördert Verantwortung und eröffnet neue Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen Entwicklung, Beziehung und die Chance auf einen Neuanfang.

Zu Beginn war Benjamin ein Einzelgänger, der seinen eigenen Weg gehen wollte und wenig Vertrauen hatte. Doch Schritt für Schritt öffnete er sich, fand seinen Platz in der Gruppe und entwickelte soziale Stärke. Er lernte, Unterstützung anzunehmen, Neues auszuprobieren und über sich hinauszuwachsen.

Torsten Menzel, Pädagoge in der Produktionsschule