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  1. „Man sieht, was man geschaffen hat!“ – Wie Lennard im CJD seine Stärke findet

„Handwerk liegt mir einfach“ – Lennard über seinen Weg ins CJD und den Mut, dranzubleiben

Wenn Lennard morgens um sieben in die Werkstatt kommt, steckt er bereits im Tag: Sicherheitsschuhe, Arbeitshose, Werkzeugwagen und dann geht es los. Feilen, Bohren, Prüfen, Nachmessen. Für Lennard fühlt es sich vertraut an. 

„Ich mache diese Arbeit wirklich gern“, sagt er. „Handwerk liegt mir einfach. Am Ende des Tages sehe ich, was ich gemacht habe: ein Geländer, das man anfassen kann. Das macht mich stolz.“ 

Heute ist Lennard 20 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr zum Metallbearbeiter am CJD. Sein Weg hierher war nicht selbstverständlich.
 

Zwischen Abbrüchen und Neuanfängen 

Nach der neunten Klasse hat er die Gesamtschule verlassen und verschiedene Träger  zwischen Berufsvorbereitung und Praktika ausprobiert. Immer wieder hat er nach einem Ort gesucht, an dem er ankommen könnte. 

Der Wendepunkt kam über eine Empfehlung aus der Familie. Lennard hat den „Tag der offenen Tür“ des CJD besucht und war sofort überrascht: 

„Die Leute waren hier einfach nett und respektvoll. Die Ausbilder haben sich Zeit genommen. Das war für mich neu.“ 
 

Lernen kann sich gut anfühlen 

Vor allem in der Berufsschule hat Lennard einen Entwicklungssprung gemacht. Jahrelang hat Lernen Stress, Misserfolg und Frust bedeutet. Mit seinem neuen Lehrer ist es jetzt anders. „Als ich bei Herrn Ebert Unterricht hatte, dachte ich: Wow, so einfach kann Lernen sein, wenn jemand gut erklärt“, erzählt er. „Plötzlich habe ich in Mathe nur Einsen und Zweien geschrieben. Dieses Gefühl von: ‘Krass, das kann ich wirklich’! Das gibt richtig Kraft.“ 

Es sind diese Momente, in denen Jugendliche spüren: Ich kann das. Ich habe Fähigkeiten. Ich wachse.
 

Ein Ort, der Chancen gibt 

Wenn Lennard von früheren Praktika erzählt, berichtet er von Hektik, Zeitdruck und Ungeduld. Das sind Dinge, die man als junger Mensch schnell als persönliche Schwäche missversteht. Beim CJD hat er erlebt, dass es auch anders geht. „Hier sind die Ausbilder wirklich freundlich und respektvoll. Woanders wurde man schnell rausgepickt, wenn man Fehler gemacht hat. Hier kriegt man die Chance, es richtig zu lernen.“ 

Besonders prägend war für ihn die Umstellung auf gründliches und sicheres Arbeiten, ein Gegenentwurf zu den schnellen Abläufen in den Betrieben, wo er früher gearbeitet hatte. „Am Anfang war ich frustriert. Ich kannte das so nicht. Heute weiß ich: Lieber langsam und sauber, dann ist die Arbeit richtig gut.“ 

„Mehr Geduld mit sich selbst“ 

Wenn er seinem jüngeren Ich etwas sagen könnte, dann wäre es das: „Mehr Geduld mit sich selbst. Man kann nicht alles in drei Sekunden lernen. Durchhalten, reflektieren, nicht sofort aufgeben. Das ist das Wichtigste.“ 

Geduld ist für Lennard kein abstraktes Wort. Es ist eine Haltung, die er sich mühsam aufgebaut hat. Und die er heute an andere Jugendliche weitergeben möchte: „Erstmal nachdenken: Warum sagt der Ausbilder das? Oft will er einfach, dass man’s versteht. Geduld, Durchhaltevermögen, Selbstreflexion, das würde ich jedem mitgeben.“ 

Schon bald startet ein weiteres Praktikum, diesmal zusammen mit seinen Ausbildungskollegen in einem Betrieb, der eng mit dem CJD zusammenarbeitet. Lennard blickt darauf mit echter Zuversicht: „Ich freue mich richtig. Neue Leute, neue Arbeitsschritte, neue Methoden. Ich bin immer bereit, etwas Neues zu lernen.“ 

Ein Blick in die Zukunft 

Wie sieht sein Weg nach der Ausbildung aus? Für Lennard ist klar: Er träumt größer als früher: „Ich möchte später gern in einer größeren Firma arbeiten, vielleicht Siemens oder Mercedes. Und irgendwann vielleicht in die Schweiz ziehen zusammen mit meiner Freundin. Ein fester Job, eine eigene Wohnung, ein eigenes Leben: Das ist mein Ziel.“ 

Sein Vater lebt bereits dort. Die Aussicht begeistert ihn: mehr Möglichkeiten, bessere Lebensbedingungen und eine neue Umgebung. Aber egal, wohin es ihn führt, das Fundament entsteht gerade jetzt in der Werkstatt in Berlin.
 

„Man sieht sein Potenzial und wächst daran“ 

Was bleibt nach diesem Gespräch, ist ein junger Mann, der gelernt hat, sich selbst etwas zuzutrauen. Lennards Geschichte zeigt, was möglich wird, wenn Jugendliche gesehen, ernst genommen und begleitet werden. Seine Worte bleiben hängen: „Geduld ist für mich das Wichtigste im Leben, mit sich selbst und mit anderen Menschen.“ 

Ein Satz, der so einfach klingt und für viele Jugendliche genau das bedeutet: Der Weg darf Zeit brauchen. Und er darf trotzdem gut werden.