Direkt zum Inhalt
  1. Reportage
  2. Sein Weg zur Zuversicht

Sein Weg zur Zuversicht

Ein besonderes Kapitel für Benjamin war das Gitarrespielen. Ohne Vorkenntnisse lernte er erste Akkorde und zeigte schnell Talent, nutzte die Musik aber vor allem als Rückzugsort. Bisher fehlte ihm das Geld für eine eigene Gitarre. Dank der Spende einer Mitarbeiterin kann er nun wieder starten.

Es gab eine Zeit, da wusste Benjamin nicht, wohin mit sich. Er hatte zwar einen Schulabschluss, doch einen Plan für sein Leben gab es nicht. „Ich war einfach verloren“, sagt er heute. Schon die Schulzeit war schwierig. Mehrfach wechselte er die Schule, fühlte sich unverstanden und fehl am Platz. Durch ADHS fiel es ihm schwer, im Unterricht still zu sitzen oder sich zu konzentrieren. Unterstützung gab es selten. Stattdessen wurde vieles ausprobiert: Medikamente, Schulwechsel, neue Versuche. Doch nichts schien wirklich zu helfen. 

Die Atmosphäre an manchen Schulen war rau. Gewalt, Konflikte und Angst gehörten zum Alltag. „Das war keine Schule mehr“, erinnert er sich. „Das war eher wie ein Jugendclub für aggressive Jugendliche.“ Ein Ort, an dem er sich angenommen fühlte, war lange nicht in Sicht. Als er schließlich nach Greifswald kam, änderte sich zunächst wenig. Zwar hatte Benjamin den Schulabschluss geschafft, doch eine echte Perspektive fehlte. Die neue Freiheit fühlte sich eher wie Orientierungslosigkeit an. Alkohol und später auch Drogen bestimmten über Jahre hinweg seinen Alltag.

„Der Tod war gefühlt immer in meiner Nähe“, sagt er rückblickend.

Der Wendepunkt kam nach mehreren schwierigen Jahren. Er merkte, dass es so nicht weitergehen konnte. Nach einer Zeit ohne festen Wohnsitz und einem Aufenthalt im Obdachlosenheim eröffnete sich schließlich eine neue Möglichkeit: die Produktionsschule im CJD. Am Anfang war er unsicher.

Ich dachte mir einfach: Ich probiere das mal.

Benjamin begann in der Textilwerkstatt zu arbeiten. Dort nähte er kleine Projekte, lernte mit Stoffen und Maschinen umzugehen und fand langsam wieder einen Rhythmus im Alltag. Besonders wichtig war aber etwas anderes: die Menschen. Mitarbeitende, die ihn ernst nahmen. Die nicht sofort aufgaben, wenn etwas schwierig wurde.

Ich habe es ihnen nicht leicht gemacht. Aber sie haben trotzdem an mir festgehalten.

Auch aus Sicht der Mitarbeitenden ist genau das entscheidend: „Zuhören, ernst nehmen und Zeit zum Ausprobieren geben“, beschreibt Torsten Menzel, Pädagoge in der Produktionsschule. Eine besondere Rolle spielten praktische Einsätze außerhalb der Werkstatt. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen half er im Tierpark oder besuchte ältere Menschen in einem Altenheim. Dort entstand zum ersten Mal das Gefühl, gebraucht zu werden. „Das hat mir wirklich Spaß gemacht“, erinnert Benjamin sich.

Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich eine neue Idee: ein Praktikum in der Pflege. Was zunächst nur ein Versuch war, wurde schnell zu einer echten Perspektive. Er merkte, dass ihm die Arbeit mit Menschen liegt. Es folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr und schließlich eine Ausbildung. Der Weg dorthin war nicht immer leicht. Besonders die schriftlichen Prüfungen machten ihm zu schaffen. Schreiben war für ihn eine große Herausforderung. Mehr als einmal fragte Benjamin sich, ob er das schaffen würde. Doch er blieb dran.

Ich wusste, wie mein Leben vorher war. Und ich wollte nicht wieder dahin zurück.

Als die Ergebnisse schließlich feststanden, war er überrascht und stolz. Vor allem über eine Note: eine Zwei in der mündlichen Prüfung. „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt er und lächelt. Heute blickt er mit Zuversicht nach vorn. Die Ausbildung hat er geschafft. Sein nächstes Ziel ist eine Stelle in der Krankenpflege, am liebsten in einer Klinik, auf einer orthopädischen Station. Was ihn antreibt, ist auch die Erinnerung an einen Freund, der nicht mehr lebt. Ein Tattoo erinnert ihn täglich daran, seinen Weg weiterzugehen und nicht wieder in alte Muster zurückzufallen. 

Zuversicht bedeutet für mich seinen Weg weiterzugehen, egal wie schwer es wird.

Dass er heute so denken kann, hat auch mit den Erfahrungen im CJD zu tun. Dort fand er nicht nur eine berufliche Perspektive, sondern auch Menschen, die ihn begleitet haben: geduldig, ehrlich und ohne ihn vorschnell aufzugeben. Und genau daraus ist etwas entstanden, das lange gefehlt hat: Vertrauen in sich selbst – und die Zuversicht, dass ein neuer Anfang möglich ist.

Warum Ihre Hilfe zählt

Menschen geraten manchmal in Lebenssituationen, die sie alleine nicht bewältigen können. Ihre Spende gibt Sicherheit und macht damit den wesentlichen Unterschied. Sie eröffnet individuelle Wege und macht Hilfe dort möglich, wo es ohne zusätzliche Mittel keine ausreichende Unterstützung gäbe. So entstehen Geschichten von Menschen, die neuen Mut fassen und Schritt für Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben finden.

  • Jede Spende lässt Zuversicht wachsen.
  • Jede Spende hilft Menschen wie Benjamin, wieder Vertrauen in sich selbst zu finden.

Über die Produktionsschule Wolgast

Die Produktionsschule in Wolgast ist ein praxisnaher Lern- und Lebensort für junge Menschen, die Orientierung und Unterstützung brauchen. In einem geschützten Rahmen erhalten sie individuelle Begleitung, entdecken ihre Stärken und probieren sich beruflich aus, etwa in Werkstätten oder Praktika. Ein Team aus Pädagoginnen und Pädagogen stärkt ihr Vertrauen, fördert Verantwortung und eröffnet neue Perspektiven. Im Mittelpunkt stehen Entwicklung, Beziehung und die Chance auf einen Neuanfang.

Zu Beginn war Benjamin ein Einzelgänger, der seinen eigenen Weg gehen wollte und wenig Vertrauen hatte. Doch Schritt für Schritt öffnete er sich, fand seinen Platz in der Gruppe und entwickelte soziale Stärke. Er lernte, Unterstützung anzunehmen, Neues auszuprobieren und über sich hinauszuwachsen.

Torsten Menzel, Pädagoge in der Produktionsschule