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„Man kann sehen, was entsteht“ – Wie eine kleine Werkbank in der CJD Kita Johanna von Siemens große Neugier weckt

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Milan steht an der Werkbank und ist beschäftigt. Vor ihm liegen kleine Metallteile, Schrauben, Elektromotoren. Neben ihm arbeitet ein Freund. Es wird geschraubt, probiert, gefragt, wieder neu angesetzt. Für einen Moment wirkt der Raum weniger wie eine Kita und mehr wie eine kleine Werkstatt, in der gerade etwas Wichtiges entsteht.

Milan ist sechs Jahre alt. Wenn man ihn fragt, was er bauen möchte, antwortet er ohne Zögern: „Wir wollen ein Haus bauen.“ Was er dafür braucht, weiß er auch: eine Leiter, Holz, Farbe, eine Säge, Schraubenzieher und am besten eine Stirnlampe. Erst soll das Haus in der Kita entstehen, später in seinem Garten. Und wenn andere Kinder damit spielen möchten? „Sie können mich dann zu Hause besuchen“, sagt Milan.

Es ist einer dieser Sätze, in denen kindliche Fantasie und echte Begeisterung ganz nah beieinanderliegen. Für Milan ist Bauen kein Beschäftigungsangebot. Es ist eine Möglichkeit, die Welt zu verstehen.

In der CJD Kita Johanna von Siemens wurde dieses Interesse früh sichtbar. Als im Haus die Elektrik erneuert wurde, beobachteten einige Kinder die Handwerker über längere Zeit. Milan schaute besonders genau hin. Er stellte Fragen, wollte wissen, was gemacht wird und warum. Er interessierte sich nicht nur für das Ergebnis, sondern für jeden Handgriff. Erzieherin Kathrin erinnert sich gut daran. 

Milan ist an jedem Handwerksberuf interessiert. Es ist egal, ob jemand auf dem Dach arbeitet oder etwas mit Sanitär macht. Sobald etwas repariert, aufgebaut oder installiert wird, schaut Milan hin. Nicht flüchtig, sondern aufmerksam. Er will verstehen, wie Dinge funktionieren.

Aus dieser Beobachtung entstand die Idee für eine kleine, mobile Werkbank. Milan zeigt sie gern. „Die hat Mathias, unser Hausmeister, gebaut“, sagt er. Und dann, mit deutlicher Zufriedenheit: „Sie ist toll.“

Doch die Werkbank ist nur der Anfang. Mathias sieht, was noch fehlt: kindgerechtes Werkzeug, geeignete Bohrer, sichere Maschinen, mehr Material. Die Kinder arbeiten konzentriert und mit großer Ernsthaftigkeit, aber die Ausstattung ist begrenzt. Manche Eltern haben bereits Nägel, Schrauben und Dübel gespendet. Sie unterstützen die Idee, weil sie sehen, wie viel Begeisterung in den Kindern steckt.

Kathrin hat die Eltern bewusst darauf angesprochen. Ihr war aufgefallen, dass Milan und andere Kinder handwerklich besonders interessiert und begabt sind. Die Reaktion war positiv. Statt Sorge war Vertrauen spürbar: Vertrauen in die Kinder und in die Begleitung durch die Kita.

Dieses Vertrauen ist wichtig. Denn Handwerken mit Kindern bedeutet, ihnen etwas zuzutrauen und gleichzeitig einen sicheren Rahmen zu schaffen. Kinder lernen dabei, Werkzeuge zu nutzen, Gefahren einzuschätzen, geduldig zu bleiben und gemeinsam Lösungen zu finden.

Milan bringt dafür schon einiges mit. Zu Weihnachten hat er Ohrenschützer bekommen, eine Arbeitshose besitzt er auch. Arbeitshandschuhe wünscht er sich noch. Zu Hause darf er seinem Vater manchmal helfen, zum Beispiel beim Bohren oder im Lager. Eine eigene Bohrmaschine hat er sogar. In die Kita mitbringen möchte er sie lieber nicht. Das zeigt zugleich, was der Kita fehlt: eine eigene Ausstattung, die Kindern sicheres Arbeiten ermöglicht.

Während des Gesprächs greift Milan wieder zu den Materialien. Er zeigt Elektromotoren und kleine Bauteile. Gemeinsam mit seinem Freund beginnt er, ein Auto zu bauen. Dann fällt ihm ein, dass er noch etwas braucht. „Ich hole die Stromtester“, sagt er und ist schon unterwegs.

Die Stromtester stammen aus einem früheren Besuch von Mitarbeitenden von Siemens. Sie hatten mit den Kindern Experimente zur Leitfähigkeit gemacht. Die Testbretter durften die Kinder behalten. In der Kita wurde entschieden: Die Bretter bleiben zunächst vor Ort, damit alle Kinder sie nutzen können. Am Ende ihrer Kita Zeit dürfen die Kinder sie mit nach Hause nehmen. So wird aus einem einmaligen Besuch ein Lernimpuls, der länger bleibt.

Genau solche Impulse wünschen sich die Mitarbeitenden häufiger: nicht als einmaliges Sonderprogramm, sondern als wiederkehrende Möglichkeit für Kinder, ihre Interessen zu vertiefen.

„Wir würden den Kindern gern mehr bieten“, sagt Kathrin. Doch im Kita Alltag fehlen oft Zeit, Material und handwerkliches Know how. Deshalb braucht es Unterstützung von außen: Materialspenden, Geldspenden, Werkzeug aus Werkstattauflösungen, kindgerechte Maschinen. Und Menschen, die ihr Wissen weitergeben.

Kathrin denkt dabei an Ehrenamtliche, die einmal in der Woche oder einmal im Monat vorbeikommen. Vielleicht ein Handwerker im Ruhestand. Vielleicht jemand aus der Nachbarschaft, der Freude daran hat, Kindern zu zeigen, wie man sägt, schraubt, bohrt, misst und gemeinsam etwas baut.

Was dabei entsteht, ist mehr als ein Regal, ein Auto oder ein kleines Haus. Es entsteht ein Raum, in dem Kinder sich als wirksam erleben. Sie merken: Ich kann etwas ausprobieren. Ich darf Fragen stellen. Ich kann mit meinen Händen etwas schaffen. Ich kann mit anderen gemeinsam an einer Idee arbeiten.

Für Milan ist genau das spürbar. Zu Hause baut er auch, sagt er. „Aber nicht so viel.“ In der Kita sei es schöner. Warum? Seine Antwort ist einfach und stark:

 Hier ist es schöner, mit meinem Freund.

In diesem Satz liegt viel von dem, was die Arbeit des CJD ausmacht. Kinder werden mit ihren Interessen wahrgenommen. Sie bekommen Raum, sich auszuprobieren. Sie erleben Gemeinschaft, Vertrauen und Ermutigung. Und manchmal beginnt all das mit einer kleinen Werkbank auf Rollen.

Über die Kita Johannes von Siemens

Die CJD Kita Johanna von Siemens in Berlin Siemensstadt betreut Kinder von zwei Monaten bis zum Schuleintritt und fördert sie durch Sportpädagogik, Sprachförderung, Naturerfahrungen und ganzheitliche Bildung zu selbstbewussten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten.