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Wenn Träume früh aufstehen

Es ist kurz nach fünf Uhr morgens in Arnstadt. Die Straßen liegen noch still, doch hinter der Glastür des Brotwerks herrscht schon reger Betrieb.

Warme Luft schlägt einem entgegen, durchzogen vom Duft frischgekneteten Teigs und knuspriger Kruste. Bleche wandern in den Ofen, Körbe werden gestapelt, die Kaffeemaschine zischt. Dann ertönt ein schrilles Piepen. Die Mohnbrötchen sind fertig.

Mitten in diesem Morgentrubel arbeitet Yasmin. Konzentriert, ruhig, freundlich. Sie begrüßt die ersten Kunden mit einem Lächeln. Die 20-Jährige erledigt ihre Aufgaben mit sichtbarer Freude und einem stolzen Funkeln in den Augen. Vor einem Jahr war dieser Arbeitsplatz nur ein Wunschtraum. Heute ist er Realität – ermöglicht durch die Unterstützung von Claudia Handschack, Angebotsleiterin der Job-Schmiede des CJD Sachsen/Thüringen, die jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben erleichtert.

Der Morgen gehört den Stammkunden

Die Tür öffnet sich, ein vertrauter Kunde tritt ein: Jürgen Reuß, ehemaliger Vorsitzender des Seniorenbeirats in Arnstadt. Fast täglich schaut er vorbei. Er lächelt, schaut sich kurz um und fragt wie immer nach Yasmin. Nach einer kurzen Begrüßung greift sie ohne zu zögern in die Auslage, denn seine Lieblingsbrötchen kennt sie längst auswendig.

Vom Praktikum zum Traumjob

Alles begann mit einem Praktikum. Schnell merkt Yasmin: Die Abläufe liegen ihr, klare Aufgaben, feste Strukturen, direkte Rückmeldungen. Es ist genau das, was sie braucht.

Lernen mitten im echten Arbeitsalltag

Während draußen langsam die Stadt erwacht, läuft drinnen alles auf Hochtouren. Brötchen werden sortiert, Geschirr gespült, neue Bleche kommen aus der Backstube. Besonders gern arbeitet Yasmin im Spülbereich – konzentriert, strukturiert und effizient. Die Abläufe kennt sie inzwischen genau.

Sicherheit gibt ihr auch die regelmäßige Begleitung durch Sozialpädagogin Claudia Handschack. Gemeinsam besprechen sie Fortschritte und Herausforderungen. „Ich weiß, was ich gut kann und was noch nicht“, sagt Yasmin selbstbewusst bei einem der Treffen in der CJD Job-Schmiede.

Ohne diese Unterstützung wäre ihr Start ins Berufsleben deutlich schwerer gewesen. Ein Arbeitsplatz in einer Werkstatt entsprach nicht ihren Vorstellungen. Die Job‑Schmiede gab ihr die Chance, direkt in einem echten Betrieb Fuß zu fassen.

Struktur, die stärkt

Gegen neun Uhr wird es ruhiger, die ersten großen Kundenströme sind vorbei, frische Ware wird nachgelegt.

Die 20-Jährige liebt die Mischung aus Bewegung und Ordnung. Auch in ihrer Freizeit spielt Struktur eine Rolle: Sie räumt gern auf, hört Musik, verbringt Zeit mit ihren Eltern oder geht wandern. Und natürlich liebt sie Brötchen, ganz gleich welche Sorte.

Ihre Arbeit beschreibt sie mit drei einfachen Worten: „Sprechen, zuhören, abwaschen.“ Doch es sind die kleinen Details, die den Alltag besonders machen: Kunden begrüßen, Lieblingsbrötchen servieren, im Hintergrund alles sauber und geordnet halten.

Ines Prey, die Leiterin des Brotwerks, ist über Yasmins Entwicklung erfreut: „Ihre anfängliche Schüchternheit ist mittlerweile fast verflogen und die junge Kollegin fühlt sich hier sichtlich wohl, auch hinter der Theke.“

Ein Blick in die Zukunft

Für viele Menschen ist ein Arbeitsplatz selbstverständlich. Für Yasmin bedeutet er viel mehr: Selbstständigkeit, Verantwortung, Anerkennung. Und auch für die Zukunft hat sie einen klaren Wunsch: „Ich wünsche mir, dass ich meine Arbeit gut mache und dass ich in der Bäckerei bleiben kann.“

Der Vormittag nimmt Fahrt auf. Neue Kunden betreten den Laden. Yasmin lächelt, greift nach der nächsten Brötchentüte und in ihrem Blick liegt die Gewissheit: Hier hat sie nicht nur einen Job gefunden, sondern einen Ort, an dem sie wachsen, stolz sein und ihren Traum leben kann.