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TRANSzendenz

Es gibt Vernissagen, die leise vorbeiziehen und solche, die bleiben. Der Abend im CJD BBW Gera gehörte eindeutig zur zweiten Kategorie. Rund 90 Besucherinnen und Besucher strömten am 16.06.2026 in die Räumlichkeiten, in denen sich die Kunstwerke aneinanderreihten. Was sie erwartete, war keine klassische Ausstellung. Es war der feierliche Abschluss eines dreitägigen Kreativworkshops. Und gleichzeitig ein Erlebnis. Ein Blick in Lebensrealitäten. Und vor allem: ein Raum, der sagte: „Du bist okay, so wie du bist.“

Das Projekt heißt „TRANSzendenz“ und schon der Name ist Programm. Hier geht es ums Überschreiten von Grenzen, von Schubladen, Erwartungen und manchmal auch von den eigenen Zweifeln.

Kunst, die nicht geschniegelt ist

Nach einer herzlichen Eröffnung durch CJD-Kollegin Lucia Karlguth und das Projektteam wurde schnell klar: Die spannendsten Stimmen des Abends standen nicht vorne als Expert:innen, sondern mittendrin. Zwei Workshop-Teilnehmende berichteten von ihren drei intensiven Kreativtagen. Kein glattgebügelter Vortrag, sondern ehrliche Einblicke – irgendwo zwischen Nervosität, Stolz und diesem besonderen Funkeln in den Augen, wenn junge Menschen über etwas sprachen, das sie wirklich bewegte.

Ein Impulsvortrag von Juni Ingwersen (Verein QueerWeg, Erfurt) lieferte den inhaltlichen Rahmen: TIN – Trans*, Inter*, Nonbinär – Begriffe, die oft abstrakt wirkten, bekamen hier plötzlich Gesichter, Geschichten und Gewicht. Der Raum war still. Nicht unangenehm still, sondern aufmerksam still. Der Vortrag schuf einen Rahmen, der half, die gezeigten Kunstwerke besser zu verstehen.

Der große Moment: Kunst wurde sichtbar

Dann folgte der Höhepunkt der Vernissage: die feierliche Enthüllung der drei großen Gemeinschaftsleinwände. Trans*, Inter*, Nonbinär – jede Leinwand ein eigenes Universum aus Farben, Formen und Gedanken. Was dort hing, war nicht „nur Kunst“. Es war Verarbeitung. Ausdruck. Und manchmal auch Befreiung.

Ein Satz auf einer der Leinwände traf viele direkt ins Herz: „Die beste Zeit meines Lebens war, als ich noch oben ohne schwimmen gehen konnte.“ Ein Satz, der die Verletzlichkeit und Stärke queerer Lebensrealitäten in einem Atemzug einfing.

Eric, einer der Besucher, brachte es auf den Punkt: „Sehr geil, verändernd und perspektivenübergreifend.“

Mehr als schauen: mitmachen, eintauchen, verstehen

Die Ausstellung lebte davon, dass man nicht nur schaute, sondern eintauchte. Es gab kleine Vorarbeiten, Skizzen, Fragmente – fast wie Gedankenfetzen auf Leinwand. Eine digitale Präsentation zeigte Texte aus dem Schreibworkshop, die unter die Haut gingen. Im Nebenraum lief ein Kurzfilm über den kreativen Prozess.

Und dann der Inforaum: Regenbogenfarben, Infobroschüren, Selfiestation – irgendwo zwischen Festival-Feeling und Bildungsauftrag. Hier wurde Wissen nicht trocken serviert, sondern einladend und mit viel Liebe zum Detail.

Julia fasste es treffend zusammen: „Ich finde die Veranstaltung sehr gelungen. Schön, dass die Teilnehmenden selbst gesprochen haben. Auch die Mitmachaktion war toll.“

Zwischen Muffins und Meaning

Ja, es gab auch Muffins. Und Bagels. Und Limo in allen Farben. Das klang nebensächlich, war es aber nicht. Denn genau solche Details schufen Atmosphäre. Sie sagten: Hier durfte man bleiben. Hier durfte man sich wohlfühlen. Die Teilnehmenden der Hauswirtschaft‑BvB hatten ein kreatives Buffet zusammengestellt, das mehr war als eine Verpflegung. Es war ein Willkommensgruß.

Besonders schön: Viele Jugendliche packten beim Auf- und Abbau freiwillig mit an. Kein Pflichtprogramm, sondern echtes Engagement. Dieses Projekt gehörte ihnen und das war spürbar.

Drei Tage, die etwas veränderten

Die Vernissage war der sichtbare Höhepunkt. Begonnen hatte alles mit einem dreitägigen Kreativworkshop im Mai. Initiiert von Sozialpädagogin Lucia Karlguth und getragen von einem engagierten Team wurde hier ein Raum geschaffen, in dem Austausch, Bildung und kreative Verarbeitung zusammenfanden. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung von 6.500 Euro durch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Dadurch konnten nicht nur Materialien bereitgestellt werden, sondern vor allem Zeit und Raum für echte Begegnung.

Die drei Workshoptage bildeten das Herzstück:
• Tag 1: Verstehen, diskutieren, fühlen – ein Einstieg in queere Lebensrealitäten
• Tag 2: Schreiben oder Malen – Worte oder Farben als Ausdrucksform
• Tag 3: Fertigstellen, reflektieren, gemeinsam abschließen

26 junge Menschen waren dabei. Manche selbst queer, andere neugierig und offen. Diese Mischung machte den Zauber aus.

Und dann gab es diese Momente, die bleiben. Eine Teilnehmerin sagte nach dem Workshop: „Jetzt weiß ich endlich, wie ich mich einordnen kann und fühle mich befreit, gesehen und anerkannt.“ Mehr Wirkung ließ sich kaum beschreiben.

Zwischen Herausforderung und Haltung

Natürlich lief nicht alles reibungslos. Organisation neben dem Arbeitsalltag, kurze Vorlaufzeiten, schwierige Teilnehmerakquise. Das Projekt hatte seine Hürden. Aber vielleicht war genau das Teil seiner Stärke: Engagement, das nicht perfekt war, aber echt. Und gerade deshalb funktionierte.

Die Wirkung hinter dem Projekt

„TRANSzendenz“ ist mehr als ein Projekt. Es ist ein Statement. Für Sichtbarkeit. Für Austausch. Für Räume, in denen junge Menschen sich ausprobieren, ausdrücken und verstanden fühlen konnten.

Ilja sagte: „Gut durchorganisiert und interessant. Mit tollen Angeboten wie Kurzfilm, Inforaum und Mitmachleinwand.“

Sandra ergänzte: „Auch für Menschen, die noch nicht mit dem Thema in Berührung gekommen sind, einfach und verständlich.“

Und genau darum ging es: Brücken zu bauen. Zwischen Kunst und Alltag. Zwischen Wissen und Gefühl. Zwischen „Ich verstehe das nicht“ und „Jetzt sehe ich es anders“.

Fazit: Mehr davon – und ein großes Danke

Was man von diesem Projekt mitnimmt, ist klar: Kunst kann mehr. Sie kann Türen öffnen, Gespräche starten, Identität sichtbar machen. Und manchmal reicht ein Workshop, ein Satz, ein Bild, um etwas in Bewegung zu bringen.

Ein besonderer Dank gilt Lucia Karlguth und dem gesamten engagierten Team, das mit Herz, Weitblick und echter Leidenschaft Räume geschaffen haben, in denen junge Menschen über den Tellerrand hinausdenken, sich ausprobieren und ihre eigene Stimme finden konnten.

Das CJD BBW Gera hatte an diesem Abend nicht nur eine Ausstellung gesehen, sondern ein kleines Stück Zukunft. Und die ist ziemlich bunt.