Loqman hält sich noch fest am Beckenrand. Das Wasser reicht ihm bis zur Brust. Vor zwei Jahren musste der heute 17‑Jährige seine Heimat verlassen und kam allein nach Deutschland. Vieles war neu: Die Sprache, die Schule, die Menschen. Nur das Wasser machte ihm von Anfang an Angst. Heute stößt er sich vorsichtig vom Rand ab, schwimmt die ersten Meter allein und taucht mit einem breiten Lächeln wieder auf. Für andere ist es nur eine Bahn im Schwimmbad. Für ihn ist es ein Moment, der zeigt:
Ich kann das.
Solche Augenblicke entstehen überall im CJD. Wenn eine Jugendliche mit körperlicher Beeinträchtigung zum ersten Mal die letzte Route an der Kletterwand erreicht. Wenn ein Auszubildender nach Hunderten von Kilometern auf dem Fahrrad erschöpft, aber stolz sein Ziel erreicht. Wenn eine junge Tänzerin zum ersten Mal eine Bühne betritt. Diese Geschichten handeln vom Schwimmen, Klettern, Radfahren oder Tanzen – eigentlich erzählen sie aber etwas anderes. Sie erzählen davon, wie junge Menschen Vertrauen in sich selbst entwickeln. Wie aus Unsicherheit Zuversicht wird. Und wie Bewegung Türen öffnen kann, die weit über den Sport hinausreichen.
Gerade heute ist das wichtiger denn je. Kinder und Jugendliche bewegen sich so wenig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Weltgesundheitsorganisation alarmiert seit Jahren, dass über 80 % der Jugendlichen die empfohlenen 60 Minuten täglicher Bewegung nicht erreichen. Gleichzeitig steigt die Bildschirmzeit seit Jahren bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen. Während digitale Räume wachsen, verschwinden vielerorts die analogen: Bolzplätze, Sportflächen, Treffpunkte, sichere Orte für Bewegung und Begegnung. Was früher selbstverständlich war, wird heute zur knappen Ressource.
Besonders betroffen sind junge Menschen aus sozial benachteiligten Familien oder mit Behinderungen. Studien des Robert Koch-Instituts zeigen, dass diese Gruppen sich im Durchschnitt rund 90 Minuten pro Woche weniger bewegen als Gleichaltrige aus finanziell stabilen Haushalten. Oft fehlen sichere Bewegungsräume, Vereinsangebote oder die Möglichkeit, an sportlichen Aktivitäten teilzunehmen. Bewegung wird damit nicht nur zu einer Gesundheitsfrage, sondern zu einer Frage sozialer Teilhabe.
Genau hier setzt die Haltung des CJD an. Während gesellschaftliche Bewegungsräume schrumpfen, schaffen wir bewusst neue Orte, an denen junge Menschen sich ausprobieren können, Gemeinschaft erleben und Vertrauen in sich selbst entwickeln. Orte, die nicht bewerten, sondern ermutigen. Orte, die zeigen, dass Entwicklung möglich ist – unabhängig von Herkunft, Voraussetzungen oder Lebenssituation.
Dabei wissen wir längst, dass Bewegung weit mehr bewirkt als körperliche Fitness. Sie stärkt die motorische und kognitive Entwicklung, unterstützt die psychische Gesundheit und vermittelt eine Erfahrung, die für die Persönlichkeitsentwicklung zentral ist: Selbstwirksamkeit. Wer erlebt, dass ein Ziel aus eigener Kraft erreichbar ist, entwickelt Mut für neue Herausforderungen in der Schule, in der Ausbildung und im späteren Berufsleben.
Genau deshalb versteht das CJD Bewegung nicht als ergänzendes Freizeitangebot, sondern als festen Bestandteil ganzheitlicher Bildung. Persönlichkeitsbildung entsteht dort, wo junge Menschen Erfahrungen sammeln, Beziehungen gestalten und Herausforderungen meistern können. Bewegung schafft genau diese Räume. Sie verbindet Menschen, eröffnet Begegnungen und macht Teilhabe unmittelbar erlebbar. Wer gemeinsam trainiert, spielt, tanzt oder unterwegs ist, erlebt Zugehörigkeit – oft intensiver, als Worte es ausdrücken können. Diese Haltung zeigt sich in den unterschiedlichsten Angeboten des CJD:
→ inklusiven Sportfesten,
→ bundesweiten Turnieren,
→ erlebnispädagogischen Projekten,
→ Schwimmkursen,
→ Klettereinheiten oder
→ mehrtägigen Radtouren.
Immer wieder entstehen Räume der Begegnung, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft erleben und über sich hinauswachsen. Solche Erfahrungen wirken weit über den Moment hinaus. Sie stärken soziale Kompetenzen, fördern gegenseitigen Respekt und vermitteln das Vertrauen, den eigenen Lebensweg aktiv gestalten zu können. Damit alle Kinder und Jugendlichen diese Chancen erhalten, braucht es gemeinsame Anstrengungen. Familien, Schulen, Vereine, Politik und freie Träger sind gefordert, Bewegungsräume zu erhalten und neue zu schaffen. Denn Bewegung darf kein Privileg sein. Sie ist eine Voraussetzung für Gesundheit, Teilhabe und gelingende Persönlichkeitsentwicklung.
Das CJD leistet dazu seinen Beitrag – Tag für Tag. Mit Angeboten, die junge Menschen nicht nur in Bewegung bringen, sondern ihnen Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen. Denn manchmal beginnt eine große Entwicklung mit einem kleinen Schritt: dem ersten Sprung ins Wasser, dem ersten Auftritt auf einer Bühne oder dem ersten Kilometer einer langen Reise.
Damit der erste Schritt gelingt.
Solche Momente entstehen nicht von allein. Sie brauchen Schwimmkurse, Trainingszeiten, Sportgeräte und Menschen, die begleiten. Vieles davon wird durch keine öffentliche Förderung gedeckt. Genau hier wirkt Ihre Spende: Sie finanziert, was jungen Menschen den ersten Schritt möglich macht, und den zweiten und dritten gleich mit. Jede Spende fördert Bewegung.
- 10 Euro finanzieren ein Springseil.
- 30 Euro ermöglichen einem Kind drei Einheiten im Schwimmkurs.
- 50 Euro schenken einem Kind Sportschuhe und Trikot für den Start im Sportverein.
- 150 Euro ermöglichen die Teilnahme an einer mehrtägigen Radtour.
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Über den Autor Fabian Nimsgern
Fabian Nimsgern ist Teamleitung im Gesundheitszentrum des CJD Homburg. Als Sportherapeut bewegt er junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen im Rahmen des Schulsports und durch Freizeitmaßnahmen. Zudem koordiniert er die Betriebliche Gesundheitsförderung im CJD Saarland. Durch Prävention & Gesundheitsmanagement eröffnet Fabian Nimsgern den jungen Erwachsenen nicht nur neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben, sondern stärkt sie zudem in ihrer Selbstwirksamkeit.