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Zwischen Linsensuppe und Lieferplan

Zwiebeln zischen in der Pfanne, Karottenwürfel tanzen im Topf und aus der großen Kelle steigt der aromatische Duft einer Linsensuppe auf. Hier noch ein bisschen Majoran, dort ein Spritzer Essig, schon passt’s. Zwischen dampfenden Töpfen und klappernden Deckeln steht Küchenchef Dominik Hörig, der mit ruhigem Blick die Abläufe koordiniert. Kreativität, Nachhaltigkeit und Teamspirit gehören für ihn genauso selbstverständlich zum Kochen wie gute Zutaten und ein ordentlicher Schwung Linsen.

Im CJD BBW Gera wird für die Teilnehmenden und Mitarbeitenden täglich frisch gekocht. Seit zweieinhalb Jahren leitet Dominik die Großküche und hat schon viel bewegt. Ab Anfang 2025 nahm die Versorgung von Kindergärten spürbar Fahrt auf: Mittlerweile beliefert das CJD-Team sieben Kitas mit rund 350 Kindern. Gleichzeitig gelang es dem Chefkoch, die Küche des Berufsbildungswerks finanziell zu stabilisieren – „ein echter Meilenstein“, wie er sagt.

Kreativität unter Zeitdruck

Seinen Job beschreibt er mit folgenden Worten: „Teamwork, positiv herausfordernd, vielseitig, kommunikativ und gemeinschaftlich.“ Wer für Hunderte Menschen kocht, muss kreativ bleiben. Doch der Alltag wird von Organisation, Lieferplänen und Zeitdruck bestimmt. „Das ist gar nicht so einfach“, gibt Dominik offen zu. „Vor allem mit dem ganzen Organisatorischen im Hintergrund fehlt oft der spontane kreative Gedanke.“ Sein Trick: in alten Ausbildungsordnern blättern, Rezeptbücher durchstöbern, Inspiration aus Social Media mitnehmen, aber vor allem auf Bewährtes zurückgreifen. „Alte Rezepte liegen mir besonders am Herzen.“ So entstehen zum Beispiel Variationen der Thüringer Linsensuppe, die mal klassisch, mal mit saisonalem Gemüse oder regionalen Hülsenfrüchten auf den Tisch kommen.

Regional, saisonal und bewusst

Für den Küchenchef gehören Kreativität und Regionalität eng zusammen. Der Bio-Anteil liegt inzwischen bei über 20 Prozent. Ein Wert, den er zu Beginn kaum für möglich hielt. „Anfangs dachte ich, dass man bei 600 bis 650 Essen am Tag kaum auf Bio umstellen kann, ohne dass es finanziell aus dem Ruder läuft.“ Doch Nachhaltigkeit ist für ihn mehr als ein Trend: „Wir wollen unseren Teil beitragen, nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für die Welt.“ Saisonales Gemüse, regionale Produkte und bewusste Lieferantenwahl sind mittlerweile fester Bestandteil des Küchenalltags.

Dominiks Rezept für gesunde Ernährung ist einfach, aber anspruchsvoll: „ausgewogen, vielfältig und bewusst.“ Gleichzeitig ist Lebensmittelverschwendung für ihn ein absolutes No-Go. Große Küchen benötigen dafür pragmatische Lösungen: „Etwas knapper kalkulieren und immer einen schnellen Plan B haben, falls mehr Gäste kommen als erwartet.“

Gemeinsam anpacken – das Rezept fürs Gelingen

Das Team um den Küchenleiter besteht aus weiteren vier Köchen und drei Küchenkräften. Die Motivation kommt bei allen nicht nur aus den Rezepten, sondern aus dem Teamgeist: „Man darf den Spaß am Kochen nicht verlieren. Gemeinsam im Team kann man nahezu alles schaffen. Eine positive und vertraute Atmosphäre ist wichtig.“ Für den Chefkoch ist klar: Organisation, Ausstattung und Mengenplanung sind nur die halbe Miete. Den entscheidenden Unterschied macht das Miteinander im Team.

Wenn Geld keine Rolle spielte, würde er die Küche im CJD BBW Gera nur geringfügig optimieren, denn mit der aktuellen Ausstattung ist er sehr zufrieden: gute Geräte, viel Lagerraum und eine zuverlässige Bandspülmaschine. Verbesserungen wären aus seiner Sicht nur bei der Ausgabestation möglich, die noch nicht optimal konzipiert ist.

Mitten im Küchentrubel gelingt es Dominik Hörig, Kreativität, Nachhaltigkeit und Teamgeist zu vereinen und dabei den Geschmack seiner Gäste nie aus den Augen zu verlieren.