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Psychische Störungsbilder besser verstehen. "Keinen Bock" gibt es nicht

Gerade bei psychischen Beeinträchtigungen können Fähigkeiten eingeschränkt sein, die wir im Alltag selbstverständlich voraussetzen: den eigenen Antrieb zu mobilisieren, Handlungen zu planen, Reize zu verarbeiten, Gefühle zu regulieren, soziale Situationen einzuschätzen oder Ängste zu überwinden. Was von außen wie Desinteresse oder Widerstand aussieht, kann deshalb eine ganz andere Ursache haben. 

Psychische Gesundheit ist längst kein Randthema mehr 

Wie dringend eine fachliche Auseinandersetzung ist, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Im Jahr 2024 wurden rund 116.300 junge Menschen zwischen 10 und 19 Jahren aufgrund psychischer Erkrankungen oder Verhaltensstörungen stationär behandelt. Das waren 18,9 Prozent aller Krankenhausbehandlungen in dieser Altersgruppe – und damit die häufigste Behandlungsursache. 

Fast jede fünfte stationäre Behandlung: Diese Zahl macht deutlich, unter welchem psychischen Druck viele junge Menschen stehen. Gleichzeitig bleiben die Anforderungen an sie hoch. Sie sollen regelmäßig erscheinen, sich konzentrieren, ihre Aufgaben selbstständig organisieren, ihre Gefühle kontrollieren, Konflikte angemessen lösen und verlässlich an ihrer schulischen oder beruflichen Zukunft arbeiten.

Gerade die Fähigkeiten, die wir dabei voraussetzen, können durch eine psychische Störung beeinträchtigt sein. Wenn das Wissen darüber fehlt, wird aus einer gesundheitlich bedingten Schwierigkeit schnell ein vermeintliches Motivationsproblem. Der Druck steigt - auf die jungen Menschen ebenso wie auf die Mitarbeitenden, die angemessen reagieren und gleichzeitig die Anforderungen des jeweiligen Angebots erfüllen müssen.

Deshalb reicht es nicht mehr aus, psychische Störungen als Spezialthema einzelner Berufsgruppen zu betrachten. Sie begegnen uns im pädagogischen Alltag und beeinflussen Lernen, Beziehungen, Zusammenarbeit und gesellschaftliche Teilhabe. 

Dasselbe Verhalten kann sehr unterschiedliche Ursachen haben 

Eine Depression kann Antrieb, Konzentration und Entscheidungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Bei AD(H)S kann der Weg von der Absicht zur tatsächlichen Handlung zur täglichen Hürde werden. Menschen im Autismus-Spektrum können durch unklare Abläufe, soziale Erwartungen oder eine hohe Reizbelastung überfordert sein. Bei Angststörungen schützt Vermeidung kurzfristig vor großer innerer Anspannung, verstärkt die Angst jedoch häufig langfristig. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung kann mit intensiven Emotionen und großer Unsicherheit in Beziehungen verbunden sein. 

Diese Unterschiede sind entscheidend. Denn mehr Druck hilft nicht gegen fehlenden Antrieb, eine Ermahnung nicht gegen Reizüberflutung und der Appell, sich „einfach zu überwinden“, nicht gegen eine Angststörung. 

Genauer hinzusehen reicht deshalb nicht aus. Wir brauchen das fachliche Wissen, um Beobachtungen einzuordnen und angemessen reagieren zu können. Erst dann können wir Anforderungen sinnvoll gestalten, Unterstützung passender anbieten und erkennen, welche Reaktion eine Situation eher verschärft. 

Dabei geht es weder um grenzenlose Nachsicht noch um einfache Patentlösungen. Es geht darum, Verhalten nicht mit Haltung zu verwechseln. Wer psychisch bedingte Schwierigkeiten als mangelnden Willen deutet, läuft Gefahr, genau die Teilhabe zu erschweren, die unterstützt werden soll. 

Psychische Störungsbilder besser verstehen 

Die modulare virtuelle Kompaktfortbildung „Psychische Störungen besser verstehen“ im CJD Institut für Weiterbildung NRW vermittelt Grundlagen zur Entstehung und zu möglichen Symptomen von Autismus-Spektrum, Depression, AD(H)S, Angststörungen und Borderline-Persönlichkeitsstörung. 

Der fachliche Input wird durch einen fokussierten Austausch über Erfahrungen aus der Praxis ergänzt. Die fünf Module können einzeln oder als Block gebucht werden. Die nächste Fortbildungsreihe beginnt am 11. September 2026 und findet virtuell über Zoom statt. Denn „kein Bock“ ist keine Erklärung. 

Angesichts der wachsenden Bedeutung psychischer Erkrankungen können wir es uns immer weniger leisten, hier stehenzubleiben.