Eine Rampe statt vieler Hürden: Wie junge Menschen sicher in Ausbildung und Beruf kommen
Kein junger Mensch darf an den Übergängen zwischen Schule, Ausbildung und Beruf verloren gehen. Wie das gelingen kann, stand im Mittelpunkt des Fachforums des CJD Berlin-Brandenburg am 26. August 2026. Rund 40 Teilnehmende aus Politik, Verbänden und Institutionen kamen im innovativen Dialogformat Palodium zusammen. Statt einer klassischen Podiumsdiskussion entstand ein partizipativer Austausch über die Frage: Was müssen Schule, Zivilgesellschaft, Betriebe und Politik verändern, damit jeder junge Mensch eine echte Anschlussperspektive erhält? Damit junge Menschen ihren eigenen Weg finden und ihre Potenziale entfalten können, brauchen sie verlässliche Begleitung, echte Teilhabe und Strukturen, die sich an ihren unterschiedlichen Voraussetzungen orientieren – nicht umgekehrt. Eine zentrale Erkenntnis zog sich dabei durch den Abend: Es braucht verlässliche Beziehungen und kontinuierliche Begleitung statt wechselnder Zuständigkeiten und immer neuer Einzelprojekte.
Die Diagnose: Kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem
„Passen die hohen Ansprüche an gelingende Übergänge eigentlich noch zur Realität, die junge Menschen tatsächlich vorfinden?“ Mit dieser Frage eröffne Rebecca Lehmann, Fachbereichsleiterin und stellvertretende Gesamtleiterin des CJD Berlin-Brandenburg, den inhaltlichen Teil der Veranstaltung. Ihre Antwort fiel ernüchternd aus: „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Seit 20 Jahren arbeite sie in der Bildungsarbeit, so Lehmann, und wisse: Es brauche nicht immer neue Konzepte. Entscheidend sei, dass Schule, Betriebe, Bildungsträger, Arbeitsverwaltung, Jugendhilfe und Politik gemeinsam Verantwortung übernehmen – und zwar langfristig.
Die Kritik: „Projektitis“ und fehlende Kontinuität
Ein Begriff fiel an diesem Abend immer wieder: „Projektitis“. Gute Ansätze entstehen, Vertrauen wächst – und dann läuft die Finanzierung aus. Philipp Dehne, Bildungsaktivist bei der parteiübergreifenden Initiative Schule in Not und Mitglied der GEW Berlin, brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen verlässliche Strukturen statt immer neuer Projekte.“ Christian Mohr, Trainer für Demokratiebildung und Jugendbeteiligung, ergänzte: „Es ist wie bei der Bahn: Zehn Minuten Verspätung sind vielleicht okay – aber wenn dadurch der Anschluss weg ist, ist er weg. So darf das bei jungen Menschen nicht sein.“
Auch Federico Quadrelli, Soziologe und SPD-Kandidat für Berlin-Moabit, warnte davor, Bildung einseitig auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes auszurichten. „Lehrpläne dürfen nicht nur für den Arbeitsmarkt optimiert werden. Bildung muss junge Menschen stark und kritikfähig machen“, betonte er. Petra Densborn, Vorständin des CJD, unterstrich: „Die Welt verändert sich schnell – Bildung kann nicht nach dem Prinzip funktionieren: ‚Das haben wir schon immer so gemacht.‘“
Das Format: Partizipation statt Podiumsdiskussion
Anders als bei klassischen Podiumsdiskussionen stand beim Palodium die aktive Beteiligung aller Anwesenden im Mittelpunkt. Nach einem Impulsvortrag arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen und fassten ihre Ergebnisse in je einer Minute zusammen. Diese präsentierten sie einem Podium aus Expert:innen – ein Prozess, der in zwei Runden durchgeführt wurde, um eine breite Sammlung von Handlungsimpulsen zu gewährleisten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Zübeyde Güzeldal.
Der Ausblick: Von der Diskussion zur Tat
Micha Schaub, Gesamtleiter des CJD Berlin-Brandenburg, schloss den inhaltlichen Teil mit einem Dank an alle Beteiligten. Die Veranstaltung endete um 20 Uhr, doch die Diskussion ging weiter – beim Networking am Buffet. Mehrere Gäste kündigten an, die Ergebnisse in ihre politische Arbeit einfließen zu lassen. Das CJD plant, das Palodium-Format regelmäßig zu veranstalten. Ob daraus jedoch konkrete Schritte folgen, bleibt abzuwarten.