Jamy lächelt, als er behutsam ein Huhn hochhebt. Sanft streicht der Zwölfjährige über das Gefieder, während das Tier ruhig in seinen Armen liegt und gurrt. Für viele mag es nur ein Huhn sein, für Jamy ist es ein Freund, ein Begleiter, jemand, der ihm vertraut. Seit April 2025 lebt Jamy in der intensivpädagogischen Wohngruppe im CJD Heinrichstift Hohenleuben. Von Anfang an war er beim Hühnerprojekt dabei. Ihm geht es nicht um das frische Frühstücksei, sondern um echte Tierfreundschaft: Jamy hat gelernt Verantwortung zu übernehmen, Impulse zu kontrollieren und erstmals in seinem Leben verlässliche Bindungen aufgebaut.
Von der Idee zum Hühnerparadies
Die Idee für das Projekt spukte schon lange im Kopf des CJD-Teams in Hohenleuben herum, 2025 konnte sie dann endlich „ausgebrütet“ werden. Doch bevor die Geflügelschar einziehen konnte, musste ordentlich angepackt werden. Hausmeister und Hühnerfreund Felix Schubert übernahm die Projektleitung und baute gemeinsam mit Jugendlichen und Mitarbeitenden den Stall und das Auslaufgehege. Aus einem alten Schuppen wurde mit viel Herzblut und Know-How ein Hühnerparadies. Hier können die Hühner scharren, picken, Staubbaden und die Umgebung erkunden.
Rettung und Neuanfang für die Hühner
Und dann zogen die gefiederten Zweibeiner im Juni 2025 ein. Mit tatkräftiger Unterstützung der Organisation „Rettet das Huhn“ wurden ehemalige Legehennen, die unter sehr schlechten Bedingungen gehalten wurden, gerettet und bekamen so eine zweite Chance. Dank der Rettungsaktion konnten die Tiere in den großzügigen Garten des CJD Hohenleuben einziehen. Erst 10 Hennen und schon wenige Wochen später kam ein Hahn dazu, der sofort der „Chef im Korb“ war. Jetzt kümmern sich die jungen Bewohner wie Jamy und das CJD-Team liebevoll um die Hühnerschar.
Verantwortung und Selbstwirksamkeit
Mittlerweile haben Jamy und die anderen Jugendlichen feste Aufgaben und Routinen, wenn es um die Hühnerpflege geht. Sie füttern, räumen den Stall auf und sammeln die Eier ein. Die festen Rituale geben Halt, Orientierung und Vorhersehbarkeit. Gleichzeitig übernehmen die Jugendlichen Verantwortung und erleben Selbstwirksamkeit: Vernachlässigen sie die Hühner, hat das sofort spürbare Folgen. Auf diese Weise lernen sie Empathie und Verantwortungsbewusstsein auf natürliche Weise.
Die Hühner reagieren auf die Fürsorge, was den Jugendlichen Verlässlichkeit vermittelt und das Vertrauen in Beziehungen stärkt. Die Tiere bewerten nicht, schaffen ruhige Interaktionen und geben emotionale Sicherheit. Der Umgang mit den Tieren fördert zudem wichtige sozial-emotionale Kompetenzen. Jamy und die anderen Bewohner achten auf die Bedürfnisse der Hühner, lernen ihre Impulse zu regulieren und üben Geduld und Achtsamkeit, denn hektisches Verhalten verscheucht die Tiere.
Therapeutisch wirken die Hühner wie ein Spiegel: Sie reflektieren das Verhalten der Jugendlichen ohne zu belehren. Erfolgserlebnisse, wie ein Huhn, das aus der Hand frisst, stärken das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigene Wirkungskraft. Nicht zuletzt ist das Hühnerprojekt ein echtes Teamabenteuer: Die Jugendlichen teilen die Aufgaben, unterstützen sich gegenseitig und erleben auf spielerische Weise, wie Zusammenarbeit, Kooperation und Teamgeist funktionieren.
Dank der Hühner wachsen die jungen Menschen des CJD Heinrichstifts Hohenleuben jeden Tag ein kleines Stück über sich hinaus – oft leise, aber spürbar.
Das Leben mit der Hühnerschar
Nach wenigen Wochen sind die Hühner ein unverzichtbarer Teil des Alltags in Hohenleuben geworden. Die Jugendlichen sehen ihnen beim Picken und Scharren zu, nehmen sie auf den Arm, kuscheln mit ihnen und obendrauf gibt’s jede Woche noch 50–70 Eier, die in den Wohngruppen zum Kochen, Backen oder als Frühstücksei landen.
Patenschaften für glückliche Hühner
Damit das Hühnerprojekt in Hohenleuben Wurzeln schlagen kann, braucht es Hühnerliebhaber, die Lust haben, eine Patenschaft zu übernehmen. Jede Spende fließt direkt in das Wohl der Tiere, für Futter, Tierarztbesuche und alles, was die Hühner glücklich macht.
Die ersten Patenschaften sind bereits vergeben: CJD-Vorstand Herwarth von Plate sowie CJD-Kollegen Simone Späht und Jan Steinbrenner waren sofort begeistert vom Hühnerprojekt und tauften ihre Henne auf den Namen Agatha-Henriette. Ein stolzer Start für eine neue Hühnerfreundschaft, die Herz und Verantwortung miteinander verbindet.
Unser besonderer Dank gilt den ersten drei Paten, denn mit dem Gackern eurer geretteten Henne habt ihr die Welt ein bisschen wärmer gemacht.
Jetzt mitmachen: Eine Patenschaft übernehmen, Hühner glücklich machen und gemeinsam mit Jugendlichen die Welt ein Stück besser machen – Kikeriki inklusive! Hühnerpower: Jugendliche wachsen über sich hinaus | CJD