Zum bevorstehenden Start der Winterolympiade 2026 rücken wir besondere Bildungswege in den Fokus: Ein Gespräch mit Ski-Legende Maria Höfl-Riesch, ehemals Schülerin am Gymnasium der CJD Christophorusschulen Berchtesgaden, zeigt, wie schulische Prägung, Haltung und Leistungssport zusammenwirken. Auch weitere Ehemalige und eine aktuelle Schülerin unserer Eliteschule des Sports sind in diesem Winter olympisch unterwegs.
Maria Höfl-Riesch war eine der erfolgreichsten Skirennläuferinnen der Welt. Zu ihren größten Erfolgen zählen drei Goldmedaillen bei Olympischen Winterspielen, der Gewinn der Gesamtwertung des Alpinen Skiweltcups und zwei Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften.
Von 2002 bis 2003 besuchte Höfl-Riesch das Gymnasium des CJD Berchtesgaden. Die Partnerschule des Wintersports betreut Nachwuchssportlerinnen und -sportler und richtet Unterrichtstermine, Stundenpläne und Klausuren an deren Bedürfnissen aus. So konnte Höfl-Riesch dort das Abitur absolvieren.
Maria Höfl-Riesch engagiert sich heute unter anderem in der Laureus Sport for Good Stiftung und arbeitet als TV-Expertin und als Botschafterin für verschiedene Markenartikelhersteller.
Die Schule war meine Rettung
Frau Höfl-Riesch, Sie wechselten in Ihrem Abiturschuljahr 2002/2003 auf die CJD Christophorusschule Berchtesgaden. Warum?
In der 11. Klasse wurde es für mich zunehmend schwierig, die Doppelbelastung Schule und Skisport zu meistern. Durch Trainingslehrgänge und Wettkämpfe häufte ich Dutzende Fehltage an und konnte den Nachholstoff kaum mehr bewältigen. Ich wollte einfach nur noch Skifahren und mich voll auf den Sport konzentrieren. Damit strapazierte ich das Verständnis der Lehrer, die natürlich ihre Vorgaben hatten. Meine Eltern und Trainer haben mich aber letztendlich überzeugt, die Schule fertig zu machen. Als es an meiner Schule in Garmisch-Partenkirchen gar nicht mehr ging, wechselte ich ans CJD Gymnasium nach Berchtesgaden.
Und dort erging es Ihnen besser?
Die Schule war meine Rettung. Die Lehrer dort richteten die Unterrichtszeiten, die Stundenpläne, die Klausurtermine – einfach alles – an den Bedürfnissen von Leistungssportlern aus. Sie haben mich alle total unterstützt und mir geholfen, wo sie nur konnten, um den Spagat zwischen Abitur und Profisport möglich zu machen. Ich war damals bereits Mitglied der Weltcup-Mannschaft und konnte in Berchtesgaden die Schule perfekt mit dem Sport vereinbaren. So schaffte ich sogar ein ganz ordentliches Abitur.
Dem CJD sind Werte und ein gutes Miteinander sehr wichtig. Wie empfanden Sie das Klima an der Schule?
In meiner Klasse waren mehrheitlich Nichtsportler. Trotzdem haben sich alle super verstanden und zusammengehalten. Das fand ich faszinierend! An meiner alten Schule gab es viel mehr Neid und Missgunst, was vielleicht auch daran gelegen haben könnte, dass es ein reines Mädchen-Gymnasium war. ;-) Dort war man sofort mit Vorwürfen konfrontiert, bevorzugt zu werden, wenn ich aufgrund meiner vielen Fehltage Extranachhilfe bekam oder Schulaufgaben nachholen durfte.
Sie machten Ihrer Eltern wegen das Abitur. Warum finden Sie einen guten Schulabschluss wichtig?
Am liebsten hätte ich die Schule geschmissen, aber das erlaubten meine Eltern nicht. Damals war ich ziemlich sauer, doch heute bin ich ihnen dankbar. Damals konnte man ja schließlich noch nicht wissen, dass meine Sportkarriere so erfolgreich verläuft, oder ob sie vielleicht durch eine Verletzung gestoppt wird. Auch wenn meine Karriere am Ende sehr erfolgreich war, hatte ich zwischenzeitlich mit schweren Verletzungen zu kämpfen und war sehr froh, einen vernünftigen Schulabschluss gemacht zu haben.
Haben Sie heute noch Kontakte zum CJD in Berchtesgaden oder zu anderen Ehemaligen?
Leider wenig. Ein ehemaliger Mitschüler ist noch im Leistungssport als Trainer tätig, den habe ich bei den Olympischen Spielen getroffen. Ansonsten habe ich noch sporadisch Kontakt mit einigen ehemaligen Kolleginnen aus der Mannschaft, unter anderem Katy Hölzl*, die im CJD allerdings eine Klasse unter mir war. Sie hatte jedoch ihren Führerschein ein halbes Jahr vor mir und hat mich dann netterweise immer auf den Obersalzberg mit rauf- und wieder runtergenommen. :-)
*Katy Hölzl ist ebenfalls eine ehemalige deutsche Skirennläuferin.
Das CJD Berchtesgaden ist eine Eliteschule des Sports und Partnerzentrum des Wintersports. Es betreut mehr als 100 Leistungssportlerinnen und -sportler. Bei den Olympischen Winterspielen liegen Absolventinnen und Absolventen des CJD ganz vorne. Zu ihnen gehören neben Maria Höfl-Riesch die Rennrodler Georg Hackl, Tobias Wendl und Felix Loch, die Rennrodlerin Natalie Geisenberger, der Skispringer Andi Wellinger, die Skiläuferin Viktoria Rebensburg und die Langläuferin Evi Sachenbacher-Stehle. Nachwuchsleistungssportler machen rund 25 Prozent der Schülerschaft aus.
Das staatlich anerkannte Gymnasium im CJD Christophorusschulen Berchtesgaden liegt auf 1.200 Metern Höhe direkt am Rand des Nationalparks Berchtesgaden in einzigartiger Schönheit. Die CJD Christophorusschulen Berchtesgaden wurden 2010 als „Eliteschule des Jahres“ ausgezeichnet.