Natur erleben, verstehen, schützen

Das CJD Ökohaus Markkleeberg

Betritt man den Garten rund um das CJD Ökohaus Markkleeberg möchte man dort gleich ein paar Tage verweilen. Grün und saftig präsentiert sich das große Grundstück mit vielen verschieden Bäumen und Pflanzen, angelegten Hochbeeten aus Holz, wildem Mohn und Gräsern, die sanft im Sommerwind schaukeln. Zu dieser Jahreszeit schwirren unzählige Bienen, farbenfrohe Libellen, Schmetterlinge und andere Insekten durch die Luft. Hasen und Eidechsen sind hier zu Hause, Rabenkrähen machen es sich auf dem Gründach gemütlich, um in Ruhe zu fressen. Das Ökohaus hat nicht nur einen urigen, wild-romantischen Garten, es liegt dazu noch mitten im weit über die Stadtgrenzen Markkleebergs hinaus bekannten 50 Hektar großen agra-Park, der 1890 als Landschaftspark angelegt wurde und heute ein Denkmal der Gartenkunst ist. Einige Teile des Parks sind als Landschaftsschutzgebiet „Leipziger Auwald“ sowie Europäisches Vogelschutzgebiet geschützt.  

Natur mit allen Sinnen begreifen und gemeinsam lernen 

2009 wurde das Ökohaus von Jugendlichen als ökologischer Rundbau aus Strohballen errichtet, nach außen mit einheimischen Holz aus dem Leipziger Auwald verkleidet und innen mit Lehm verputzt. Das begrünte Flachdach wird im Innenraum und in den Außenwänden von rustikalen Holzsäulen getragen. Als nachhaltiger Bau dient es als Anschauungsobjekt für ähnliche Bauvorhaben nicht nur in der Region.  

Im Garten gibt es neben den vielfältigen Pflanzen, Bäumen, Büschen und Naschsträuchern eine Klanginsel, einen Hand- und Fußfühlpfad und verschiedene Duftecken mit wilden Kräutern und Blumen. Seit letztem Jahr bietet das CJD hier umweltpädagogische Angebote für alle Altersklassen, vor allem aber für Kinder, Jugendliche und Familien, an. In Kooperation mit Umweltprojekten, Schulen und Naturschutzvereinen entstehen an Projekttagen zum Beispiel Nistkästen, Vogelhäuser, Insektenhotels, Totholzhaufen, Natursteinmauern, Hoch- und Hügelbeete sowie Selbstversorgerbeete als Grabland. Hier wachsen unter anderem Kartoffeln, Erdbeeren, Erbsen, Salate und Radieschen, die von Besuchern des Gartentreffs und den Mitarbeitenden des Ökohauses gepflegt werden.  
 
Im behaglichen großen Innenraum des Rundbaus mit flexibler Bestuhlung finden regelmäßig Veranstaltungen für Kinder- und Jugendgruppen statt. Ende 2020 konnte dank großzügiger Spenden der CJD Kinder- und Jugendstiftung und der "Jugendhilfe-Stiftung Janewers" ein Raum als Kinderlabor mit höhenverstellbaren Tischen und Stühlen eingerichtet werden. Dort untersuchen Kinder heimische Insekten, Blüten und Pflanzenteile unter den Mikroskopen und bestimmen sie anhand der Bücher der kleinen Ökohaus-Bibliothek. Marie aus Leipzig, 12 Jahre alt, ist begeistert: "Ich bin oft hier, weil es jedes Mal Angebote gibt, die mit Tieren oder Pflanzen zu tun haben. Ich weiß jetzt auch, was Recycling ist, was das mit Umweltverschmutzung zu tun hat und was man selbst tun kann, um die Natur zu schützen."  
 
Einen weiteren Veranstaltungsort für umweltpädagogische Angebote bietet das weiträumige Außengelände. Es ist in Markkleeberg schon länger bekannt als das "Grüne Klassenzimmer". Neben einer 2021 erneuerten Außentafel für den Unterricht im Freien können die Kinder während ihrer Wandertage und Schulausflüge geschützt unter einem Dach pausieren, essen, spielen und basteln. 


Nachhaltigkeit ganz anschaulich 

Naturnahe Erfahrungsräume schaffen, interessante Angebote entwickeln, um für Natur und Umwelt sowie deren Schutz zu sensibilisieren, ist die Hauptaufgabe des Ökohaus-Teams, das im Winter dazu Aufgaben wie Holz hacken und Feuer machen übernimmt, denn das Haus wird dann fast ausschließlich durch einen urigen Holzofen beheizt. Im Frühjahr wird viel Zeit für neue Anzuchtpflanzen verwendet, und im Sommer bei der Pflege der Beete sowie beim Wässern der Pflanzen. 

Über die Solar- und Photovoltaikanlage auf dem großen grünen Flachdach sorgt die Sonnenenergie für warmes Wasser und Strom im Haus. Wenn die Sonne scheint, wird das Haus in der kalten Jahreszeit auch über eine Lüftungsanlage mit der gespeicherten Sonnenwärme vom Dach aus beheizt. Gesammeltes Regenwasser versorgt die Gartenpflanzen und zusätzlich werden alle Abwässer durch eine Kleinkläranlage im Haus aufbereitet und im Garten in einer Zisterne gespeichert und ebenfalls für die Pflanzen wiederverwendet. Der organische Müll landet auf einem Komposthaufen, der so neue Erde für Anpflanzungen produziert.

"Ich mag meine Arbeit, weil sie unglaublich vielfältig ist und wir den Menschen durch die besondere Umgebung hier, sehr direkt und anschaulich ökologische Zusammenhänge und Beispiele für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen vermitteln können. Angebote wie dieses sind für viele drängende Zukunftsfragen unserer Gesellschaft unverzichtbar. Wir erreichen mit den umweltpädagogischen Veranstaltungen ganz unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen. Nachhaltigkeit, Umweltschutz und eine bewusste Verbindung zur Natur bei den Teilnehmenden zu fördern, liegt dem Team sehr am Herzen. Besonders schön ist es, wenn Kinder und Jugendliche, die erstmal nicht so viel mit dem Thema anfangen können, sich im Laufe der Veranstaltungen öffnen und etwas gedanklich Neues mit nach Hause nehmen." sagt Sebastian Steiner, Leiter des Ökohauses. 

Das Ökohaus zieht international an

Was kann die Gesellschaft tun, um eine lebenswerte Umwelt für die nächsten Generationen zu bewahren? Können wir etwas gegen den Klimawandel tun? Welche Möglichkeiten hat jeder einzelne Mensch, nachhaltig zu leben? Weltweit haben sich junge Menschen diese Themen auf die Fahnen geschrieben und setzen sich - nicht nur bei den Fridays for Future-Demonstrationen - aktiv ein. So auch Paola Morreale aus Italien, die letztes Jahr als Volontärin über das European Solidarity Corps (ESC) ins Ökohaus Markkleeberg kam. Das ESC-Programm bietet jungen Menschen europaweit die Chance, Erfahrungen in Projekten und Einrichtungen zu sammeln, die sich gemeinnützig Umweltthemen widmen. "Ich wollte in einem Projekt arbeiten, dass sich mit Umweltschutz und Klimawandel auseinandersetzt.

Persönliche Entscheidungen wie Fahrrad fahren oder laufen, statt das Auto zu nutzen, mich vegetarisch zu ernähren, reichen mir nicht aus. Ich wollte etwas ganz Praktisches lernen, also wie es möglich ist, nachhaltig Landwirtschaft zu betreiben, nachhaltig zu leben. Meine Wahl fiel deshalb auf das CJD Ökohaus Markkleeberg, weil ich dort direkt in der Natur und für den Umweltschutz arbeiten konnte. Ich habe dort sehr viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, die dazu beigetragen haben, dass ich einiges anders betrachte als früher. Zum Beispiel habe ich gelernt, wie viel Geduld und Anstrengung es braucht, bis man selbst angebautes Gemüse und Obst auf dem Tisch hat. Gleichzeitig ist mir bewusst geworden, wie viel Arbeit hinter den Produkten in den Supermärkten steckt. Diese Massenprodukte kommen oft von ganz weit her. 

Für viele der Supermarktangebote werden Mensch und Umwelt ausgebeutet. Für mich ganz ausschlaggebend dafür, entweder selbst anzubauen und wenn das nicht möglich ist, regionale, umweltschonend hergestellte Produkte zu kaufen. Kinder und Jugendliche mit speziellen umweltpädagogischen Angeboten für diese Themen zu sensibilisieren ist, aus meiner Sicht, enorm wichtig." 

Themen für die Zukunft 

Durch die Pandemie mussten viele Vorhaben verschoben oder abgesagt werden. Das Ökohaus ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wandertage der Schulen in der Region. In den Sommerferien fanden Thementage statt, wie zum Beispiel zur Bedeutung der Bienen für unseren Planeten, Wasserverschmutzung und Workshops zur Herstellung hausgemachter Bio-Produkte für die Körperpflege und für die Ernährung. In der "Naturwerkstatt" werden wieder regelmäßig und gemeinsam mit Familien, Kindern und Jugendlichen Vogelhäuser und Insektenhotels entstehen.  
 
Für die kommende Zeit sind Naturwanderungen wie die "Marienkäfer Tour" im Rahmen der "7Seen-Wanderung" geplant, sowie ein Wiesenkonzert auf dem Außengelände des Ökohauses für die Jugendlichen aus Markkleeberg und Umgebung. Im Rahmen des Markkleeberger Stadtfestes gibt es im Herbst einen Tag der offenen Tür mit Angeboten für Kinder und Aussteller zum Thema Nachhaltigkeit. Neue Projekttage zum Thema "Nachhaltiger Lebensstil" sind bereits geplant und absehbar sollen Angebote im Ökohaus auch noch inklusiver gestaltet werden, um umweltpädagogische Angebote verschiedenen Gruppen zugänglich zu machen.  

 

Text: Corinna Thamm, CJD Sachsen/Thüringen