"Für Menschen mit Asperger Autismus ist grundsätzlich kein Beruf ausgeschlossen"

30.03.2016 CJD e. V. « zur Übersicht

Der internationale Autismus-Tag wird jährlich am 2. April begangen. Die Vereinten Nationen wollen damit weltweit für diese tiefgreifende Entwicklungsstörung sensibilisieren.

Marian war 18, als er in das CJD Dortmund kam, um eine Ausbildung als Zerspanungsmechaniker zu beginnen. Er hatte eine besonders ausgeprägte Form des Asperger Autismus, dazu kamen Depressionen und eine offensichtliche PC-Spielsucht. Um sich vor äußeren Reizen abzuschirmen, trug er über seiner Basketball-Kappe immer noch eine Kapuze, die untere Hälfte des Gesichts war mit einem Tuch abgedeckt. „Auf Ansprache reagierte der junge Mann damals nur sehr einsilbig – maximal ein bis zwei Worte waren von ihm zu hören“, berichtet Mechtild Ronge, die Leiterin des dortigen Berufsbildungswerks (BBW). In ganz kleinen Schritten und mit Hilfe des gesamten Teams sei es gelungen, Marian in Sportangebote und in Förderangebote zu integrieren. „Nach und nach legte er zunächst das Tuch, dann die Kapuze und schließlich auch seine Kappe ab. Er konnte sich unseren Mitarbeitenden emotional öffnen und mit ihnen kommunizieren.“

Ein großer Schritt war für Marian das Praktikum in einer externen Firma. Es verlief erfolgreich: Die Firma stellte sich auf die besonderen Bedürfnisse des jungen Manns ein. Er erhielt einen abgegrenzten, geschützten Bereich, wo er arbeiten und sich in den Pausen aufhalten konnte. „Die Firma war mit Marians Leistungen sehr zufrieden“, erzählt Mechtild Ronge, „und ist es offensichtlich immer noch." Nach Abschluss seiner Ausbildung bekam Marian einen festen Arbeitsplatz angeboten und hat ihn bis heute - zwei Jahre später - behalten.

Marians Geschichte ist für das CJD Dortmund kein Einzelfall. Seit 2010 ist das dortige Berufsbildungswerk als Kompetenzzentrum ‚Autismus und Berufsbildung‘ anerkannt. „Für Menschen mit Asperger Autismus ist grundsätzlich kein Beruf ausgeschlossen“, betont die BBW-Leiterin: „Aber die speziellen Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden.“ Dazu gehören schlichte Zimmer im Wohnbereich sowie passende Wohngruppen. An den Arbeitsplätzen werden die Ablenkungen reduziert sowie notwendige Hilfsmittel – das kann zum Beispiel ein Gehörschutz sein - eingesetzt. Die Mitarbeitenden strukturieren die Arbeitsaufgaben, passen die Unterweisungsformen und ihre Kommunikation an. „Eine direkte und eindeutige Sprache ist wichtig – Sarkasmus oder Ironie wird von Autisten nicht verstanden.“ Selbst im Speiserestaurant hat sich das BBW mit unterschiedlichen Sitz- und Stehmöglichkeiten (Einzel-, Zweier- und Vierertische) auf die besonderen Bedürfnisse eingestellt.

Gleichwohl, so betont Mechtild Ronge, stehe im CJD Dortmund nicht die psychische Erkrankung im Vordergrund, sondern die Ausbildung: „Unsere Grundhaltung ist allen Teilnehmenden gegenüber wertschätzend. Wir richten unseren Blick auf ihre Ressourcen, nicht auf die Defizite.“ Und Menschen mit dem Asperger Syndrom hätten besondere Stärken – etwa ein gut ausgeprägtes Erinnerungsvermögen, Ehrlichkeit und Entschlossenheit sowie ein sensibles Hör- und ein detailliertes Sehvermögen.

Diese stärkenorientierte Haltung kommt noch an anderen Standorten zum Einsatz, an denen sich das CJD um Menschen mit einer Autismus-Spektrum- Störung (ASS) kümmert. Zum Beispiel in Stuttgart oder in Offenburg, wo ebenfalls junge Autisten ausgebildet werden. Umfangreiche Kompetenzen zum Thema gibt es auch im CJD Prignitz (Brandenburg). Dazu gehören eine Beratungsstelle und ambulante Hilfe für Familien, Kitas und Schulen, die Schulbegleitung für Kinder mit Autismus sowie mehrere Wohngruppen für Erwachsene mit ASS.

Weitere Informationen unter: www.cjd-dortmund.de sowie www.cjd-prignitz.de