Teilhabe an der Arbeitswelt 4.0

Die Digitalisierung verändert die Berufliche Bildung. Auch junge Menschen mit Handicap brauchen Computer-Kenntnisse, sagt Mechtild Ronge, Leiterin des CJD Berufsbildungswerks Dortmund.

Wie stark bemerken Sie im CJD Berufsbildungswerk Dortmund den Einfluss der Digitalisierung?


Zum Beispiel die Küche: Neue Geräte arbeiten hier mit digitalen Assistenten. Kochvorgänge lassen sich per Display steuern; intelligente Kochmonitore unterstützen beim Kochprozess. Beim Frisör übernehmen Softwareprogramme organisatorische Aufgaben wie Bestellungen, Materialverwaltung, Arbeitszeiten und Urlaubsplanungen. Kunden buchen ihre Termine per Smartphone zu jeder Tages- und Nachtzeit. Mithilfe von Videoanimationen kann dem Kunden gezeigt werden, wie die neue Frisur aussehen würde.

Welche Herausforderungen ergeben sich mit der Digitalisierung für die Berufliche Bildung?


Wenn wir heute beispielsweise eine neue Maschine für den Metallbereich einsetzen wollen, dann wird diese per Computersoftware gesteuert. Die Ausbilder müssen nun auf der einen Seite die Fähigkeit haben, diese Maschine in Betrieb zu nehmen, und ihre Programme bedienen können. Sie sollen auf der anderen Seite aber auch das eigentliche Handwerk kennen, das hinter der Maschine steckt. Dieses Fachwissen gilt es dann weiterzugeben. Sie müssen den Auszubildenden also beibringen können, wie man diese Arbeitsschritte per Computer und von Hand erledigt. Der Ausbilder muss heute das lebenslange Lernen aktiv vorleben.

Mechtild Ronge leitet das CJD Berufsbildungswerk Dortmund. Sie ist seit 1985 im CJD tätig.

Ist denn die Digitalisierung der Berufswelt ein Problem für Menschen mit Behinderungen und Benachteiligungen?


Natürlich ist es problematisch, wenn einfache Arbeiten, die bisher von Menschen mit Behinderungen ausgeführt intern wurden, jetzt nur noch von Computern erledigt werden. In einigen Bereichen ist auch noch nicht abzusehen, wie sie sich entwickeln werden. Es werden neue Nischen entstehen. Diese gilt es zu entdecken mit dem Ziel, Menschen mit Behinderungen an der Arbeitswelt 4.0 teilhaben zu lassen. Wir bilden hier in Dortmund zum Beispiel seit 2014 Menschen mit Behinderung zum Fachinformatiker für Systemintegration aus. Das sind später die Experten, die in Unternehmen die digitale Technik vernetzen und verwalten. Insbesondere Autisten bringen für dieses Berufsbild sehr viele Stärken mit. Sie können sich beispielsweise gut fokussieren und arbeiten sehr präzise. Wir als Ausbildungsstätte sorgen für den passenden Ausbildungsrahmen und die passende Aufbereitung der Lerninhalte, sodass sie ihre Stärken einsetzen können. Beispielsweise sind die Räume reizarm eingerichtet und die Aufgabenstellungen werden klar und strukturiert erklärt. 2014 sind wir mit vier Teilnehmenden gestartet; in diesem Jahr sind es schon 32 junge Frauen und Männer.

Profitiert auch das CJD Berufsbildungswerk Dortmund davon, zukünftige Computerexperten im Haus zu haben?


Durch diese Auszubildenden ist das Thema Digitalisierung in Dortmund sehr präsent. Durch die Ausbilder und die Auszubildenden selbst kommen viele neue Impulse. Eines ihrer zukünftigen Prüfungsprojekte sind zum Beispiel digitale Türschilder für das BBW. Bisher hatte die Sekretärin die Raumbelegung verwaltet und ist dann mit einem Zettel zur Tür gegangen und hat ihn dort befestigt. In Zukunft werden wir ein Computerprogramm haben, das in Echtzeit am Türschild anzeigt, ob der Raum frei ist oder was gerade darin stattfindet. Wir werden bald auch ein digitales Schlüsselsystem haben, bei dem die Türen dann mit einem elektronischen Schlüssel geöffnet und geschlossen werden. Das Gute daran ist: Der Auszubildende hat nicht nur ein spannendes Prüfungsprojekt umgesetzt,sondern er hat auch etwas Nachhaltiges für die Einrichtung getan und bekommt zusätzlich Anerkennung von den Mitarbeitenden hier im Haus. Das sorgt für eine große Motivation.

Wir sind mitten drin im Wandel zur Arbeitswelt 4.0. Was braucht es, um da gut aufgestellt zu sein?


Ich muss erst mal informiert sein, was in Zukunft kommen wird und welche Veränderung in den einzelnen Bereichen zu erwarten ist. Ein weiterer Baustein ist der regelmäßige Kontakt zu Kammern, Berufsverbänden und natürlich den Unternehmen. Im CJD haben wir die Fachgruppe ‚NewJobs und Digitalisierung‘ gegründet und sind auch im internationalen Austausch mit anderen Trägern. Innerhalb des CJD sollten wir die Mitarbeitenden in die Lage versetzen, die neuen Technologien zu nutzen und einzusetzen. Dass das Weiterbildungsangebot dieses Thema aufgreifen muss, versteht sich von selbst. Ich muss meine Mitarbeitenden richtig schulen und dann entsprechende Angebote bieten. Auch der Datenschutz ist ein großes Thema. Das Ziel ist es, den Auszubildenden den Weg zur Arbeitswelt 4.0 zu ebnen und das dazu notwendige digitale Rüstzeug mitzugeben. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Kammern, Unternehmen und anderen Partnern sollte uns dies gelingen.

Ich glaube, dass auf persönlicher Ebene Offenheit und Neugierde gegenüber der Digitalisierung helfen, Spaß an den Veränderungen zu haben, die uns lebenslang begleiten werden.