Strukturen transparent machen

CJD Ombudsstelle

Januar 2020

CJD:
Frau Zypries, Sie sind Bundesministerin der Justiz sowie Bundesministerin für Wirtschaft und Energie a.D. und seit Juli 2018 Ombudsfrau im CJD. Was hat Sie bewogen, sich im CJD zu engagieren?

Brigitte Zypries:
Ich kenne das CJD seit 1998. Damals war ich beamtete Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern und dort unter anderem für den Leistungssport zuständig. So habe ich die CJD Christophorusschulen in Berchtesgaden kennen gelernt. Diese gehören ja zu den Eliteschulen des Sports durch den Deutschen Olympischen Sportbund. Sie waren sozusagen der Türöffner für mich in die Welt des CJD. Dann habe ich gelernt, dass das CJD eines der großen Sozial- und Bildungswerke in Deutschland ist. Welche vielfältigen Ausbildungsangebote das CJD erkrankten jungen Menschen oder jungen Menschen mit besonderem Förderungsbedarf macht, generell die vielfältigen Möglichkeiten für Menschen mit Benachteiligung – das finde ich unterstützens- und die täglichen Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im CJD bewundernswert. Deshalb bin ich gerne Ombudsfrau im CJD. Außerdem engagiere ich mich seit 2010 im Bundeskuratorium des CJD im Bereich politische Bildung.

CJD:
Was sind Ihre Aufgaben als Ombudsfrau?

Brigitte Zypries:
Die Grundvoraussetzung für die Arbeit als Ombud ist, dass man außerhalb des CJD steht und deshalb auch außerhalb des CJD erreichbar ist. An mich wenden sich Teilnehmende, deren Eltern oder Sorgeberechtigten, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf mich darf jeder zukommen, der das Gefühl hat, dass etwas nicht richtig läuft. Ich prüfe dann, ob an dem Vorwurf etwas dran ist.

CJD:
Wie läuft das ab, wenn sich jemand mit einem Vorwurf an Sie wendet?

Brigitte Zypries:
Das ist immer sehr individuell. Zunächst bekomme ich über meine E-Mail-Adresse ombudsfraunospam@web.de eine Nachricht. Dann prüfe ich den Vorwurf, fordere Unterlagen an und befrage den CJD-Vorstand. Manche Vorwürfe lassen sich innerhalb des CJD klären. Bei anderen rate ich den Betroffenen, eine staatliche Instanz einzuschalten, wie z. B. die Staatsanwaltschaft oder die Finanzbehörden.

CJD:
Wie viele Menschen haben sich bereits an Sie gewandt?

Brigitte Zypries:
Es gab bisher sehr wenige Eingaben, maximal zwei Hände voll.

CJD:
Wie haben Sie den Menschen geholfen?

Brigitte Zypries:
Durch das geschilderte Vorgehen. Für viele ist schon hilfreich, wenn sie sich an eine neutrale Instanz wenden können, die sich ihrer Sorgen annimmt.

CJD:
Gibt es noch andere Möglichkeiten als über E-Mail mit Ihnen in Kontakt zu treten?

Brigitte Zypries:
Die E-Mail ist immer die erste Kontaktmöglichkeit. Nach einer ersten Prüfung nehme ich Kontakt zu dem Betroffenen auf, entweder wieder per Mail, telefonisch oder wir vereinbaren einen Termin für ein persönliches Gespräch. Es sollte sich niemand scheuen, sich mit seinem Anliegen an mich zu wenden.

CJD:
Sind Sie noch woanders als Ombudsfrau tätig?

Brigitte Zypries:
Ja. Besonders gerne habe ich allerdings beim CJD zugesagt. Denn das CJD zeigt durch die Einrichtung dieser Position, wie wichtig es dem Unternehmen ist, Strukturen transparent zu machen. Deshalb sollten alle Menschen im CJD Missstände aufzeigen, wenn welche vorhanden sind. Und wenn mögliche Missstände nicht innerhalb des CJD gelöst werden können, kann man sich an mich als neutrale Person wenden. Es ist sehr gut für das CJD, seine Mitarbeitenden und die Teilnehmenden, dass neutrale Lösungen gefunden und mögliche Missstände auch wirklich abgestellt werden können.

CJD:
Frau Zypries, vielen Dank für das Gespräch.