Wohngruppe und Corona- was läuft und was läuft nicht?

12.05.2020 CJD Versmold « zur Übersicht

Wohngruppe und Corona- was läuft und was läuft nicht?

                                                      

Freitag 20. März, was zu Beginn nur wenig Menschen ernst genommen haben wird für mich auf einmal ziemlich ernst. Ich sitze in der Schule und an diesem Tag gibt es nur ein Thema, wann sehen wir uns in diesem Gebäude wohl das nächste Mal wieder. Die Situation wirkte sehr surreal und beim Mittagessen in der Wohngruppe machten wir zuerst Scherze über die „schulfreie“ Zeit, anstatt darüber nachzudenken wie es für uns weitergehen wird. Nachmittags dann die Nachricht, die Schulen bleiben vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen. Inzwischen ist über ein Monat vergangen und aus den vorherigen Scherzen wurde mein neuer Alltag.

Gerade innerhalb der ersten Woche war deutlich zu merken, dass alle mit der Situation überfordert waren. Nicht alle hatten Aufgaben aus der Schule, wenn Aufgaben vorhanden waren wusste noch niemand wie lange diese pro Tag bearbeitet werden sollen und die sonst so vertraute Struktur war erstmal nicht da. Mit der Zeit gewöhnten sich jedoch alle an die Situation und auch die Kommunikation mit den Schulen verbesserte sich. Es kehrte ein Alltag ins Chaos ein, in dem es feste Strukturen gab wie beispielsweise eine Lernzeit von 09:30-13:00h in welcher alle ihre Schulaufgaben erledigten.

Die Nachmittage änderten sich ebenfalls, da nun keiner mehr seinen gewohnten Hobbys nachgehen konnte, sondern alle darauf angewiesen waren die Kontaktbeschränkungen einzuhalten. Also hieß das für uns alle, was tun wir gegen die Langeweile und wie beschäftigen wir uns im Haus ohne uns nach einer gewissen Zeit die Köpfe einzuschlagen? Wir wurden kreativ und konnten uns auf dem privaten Campus dank des schönen Wetters auch draußen beschäftigen. So gab es einige Partien Wikingerschach, selbstgebackene Waffeln auf der Wiese oder eine Fahrt auf Inlinern. Wenn es auf den Abend zu ging oder es einen regnerischen Tag gab, haben wir uns die Zeit in der Gruppe vertrieben und versucht T-Shirts zu Batiken. Das Puzzeln wurde nahezu zu einer Leidenschaft, da mittlerweile fast vier Puzzles mit 1000 Teilen fertig sind.

Für mich ist schön, dass die Mitarbeiter der Gruppe weiterhin versucht haben uns einen Kontakt mit unseren engsten Bezugspersonen zu ermöglichen. Selbstverständlich durften diese nicht mehr so ablaufen wie gewohnt, so darf zum Beispiel bis heute niemand in die Wohngruppe kommen, der nicht hier wohnt oder arbeitet, jedoch konnten wir auf dem Campus oder auch im Stadtpark weiterhin unsere Eltern oder anderen Bezugspartner treffen.

Wir haben versucht gemeinsam das Beste aus dieser Zeit zu machen und werden uns bestimmt noch lange daran zurück erinnern. Vielleicht kann jeder auch etwas für sich daraus mitnehmen, wie zum Beispiel, dass es doch gar nicht so schlimm ist zur Schule zu gehen, welche Freizeitbeschäftigungen einem wirklich wichtig sind oder dass es wichtig ist auf seine Mitmenschen zu achten.

Dennoch hoffe ich sehr, dass bald wieder in ganz Deutschland der Alltag einkehren kann und alle gesund bleiben. 

 

Lisa - 17 Jahre