Blick über den Tellerand: Girl’s Day und Boy’s Day ermöglichen Einblicke in interessante Berufe

28.04.2016 CJD e. V. « zur Übersicht

Wer sagt denn eigentlich, Zimmerer sei nur ein Beruf für Männer? Und Erzieherin nur einer für Frauen? Beim heutigen Girl’s Day (Mädchen-Zukunftstag) bzw. Boy’s Day (Jungen-Zukunftstag) sollen Mädchen und Jungs Berufe kennen lernen, in denen ihr jeweiliger Anteil bisher noch gering ist. Bei den Mädchen ist das bei den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen der Fall, bei den Jungs zum Beispiel im sozialen, erzieherischen und pflegerischen Bereich.

Ein eher typischer „Männer-Beruf“ ist der Zimmerer: „Unser Männer-Anteil liegt bei rund 90 Prozent“, erklärt Volker Gelfert. Er leitet das CJD Biberach, ein Wohnheim für junge Menschen, die zur überbetrieblichen Ausbildung im zweiten und dritten Lehrjahr ins Zimmerer-Ausbildungszentrum in Biberach kommen. Kooperationspartner ist das Bildungszentrum von Holzbau Baden-Württemberg. Nach Gelferts Meinung ist der Beruf des Zimmerers auch für Frauen attraktiv: „Er bietet gute Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung, zum Beispiel im Bereich Restauration, als Aufstiegsqualifikation zum Polier oder Meister und im Bereich der Energieberatung.“ In Zusammenarbeit mit der Hochschule Biberach biete die Holzbau Baden-Württemberg auch die Möglichkeit eines Dualen Studiums, das mit dem ‚Bachelor of Engineering‘ abschließt. „Unser Kooperationspartner tut schon sehr viel, um auch Mädchen und junge Frauen für den Beruf des Zimmerers zu interessieren“, lobt Gelfert. Er sieht auch keine Hindernisse – zwar sei eine gewisse körperliche Fitness Voraussetzung für den Job, man müsse jedoch kein ‚Muskelprotz‘ sein. „Wir erleben auch viele zierliche Frauen, die den Beruf ganz toll ausüben.“ Insgesamt empfindet Gelfert einen höheren Frauenanteil als eine Bereicherung für jeden Beruf. „Das Sozialverhalten ändert sich, der Umgang miteinander wird rücksichtsvoller.“

Als klarer „Frauen-Beruf“ gilt dagegen immer noch der Erzieher: mehr als 90 Prozent sind weiblich. In der CJD Kita im Doschler in Kirchheim/Teck sind es momentan sogar 100 Prozent. „Es ist ganz selten, dass sich mal ein männlicher Praktikant zu uns verirrt“, sagt Kita-Leiterin Angela Kütemeyer. Dabei hält sie es für wichtig, dass sowohl Jungs als auch Mädchen von klein auf auch männliche Bezugspersonen haben: „Die erleben sonst in der Kita und in der Grundschule eine sehr frauenlastige Zeit.“ Und männliche Erzieher könnten doch andere Werte vermitteln, hätten einen anderen Zugang zu Bildungsthemen als Frauen. Als Hinderungsgründe nennt Kütemeyer die leider nach wie vor schlechte Bezahlung sowie fehlende Aufstiegsmöglichkeiten. Sie erlebt bei vielen jungen Männern anfangs auch Verunsicherung, auf Kinder zuzugehen, da sie keinen Bezug zu ihnen hätten. „Das legt sich bei uns in der Kita aber meist nach dem ersten Tag. Unsere Kinder sind so offen und so voller Begeisterung – da werden Barrieren ganz schnell abgebaut!“

Weiterführende Links: http://zimmererzentrum.de sowie www.cjd-kita-im-doschler.de