Steffen – Prignitz

„Heute fühle ich mich wieder wie ein Mensch“

Steffen war aus der Bahn geworfen und verzweifelt. Sein Vater kam bei einem Autounfall ums Leben, als Steffen noch ein Kind war. Mit dem neuen Mann der Mutter, seinem Stiefvater, versteht er sich gar nicht. Familiären Halt erfuhr er nur durch seine Oma. Schließlich erkrankt seine Mutter auch noch an Bauchspeicheldrüsenkrebs und verliert ihren Job. Die Abfindung reicht nicht, sie beginnt Schulden zu machen. „Mein Leben war ein Chaos“, erzählt Steffen heute traurig. „Ich hatte die Schulden meiner Mutter übernommen, hatte keinen Führerschein und auch noch Ärger mit dem Jugendamt wegen meiner Tochter.“ Die Welt machte Steffen wütend, eigentlich machte alles um ihn herum ihn wütend. Alles schien gegen ihn und es war ihm egal. Dann fährt er ohne Führerschein Auto – wird erwischt, fährt weiter, wird ein zweites Mal erwischt… und verurteilt. Zur Tilgung seiner Ersatzfreiheitsstrafe bekommt er durch die Staatsanwaltschaft Neuruppin freie Arbeit genehmigt.

 

So kommt Steffen in das Projekt ‚Haftvermeidung durch soziale Integration‘ (HSI) im CJD Prignitz. In diesem Projekt werden kriminell gefährdete und straffällige Jugendliche und Erwachsene, Haftentlassene und entlassene Probanten der Bewährungshilfe sowie säumige Geldstrafenschuldner im Land Brandenburg betreut.

 

Das CJD kennt Steffen schon, andere hatte ihm erzählt, dass dort nicht nur auf ihm herumgehackt wird, sondern dass er hier richtige Hilfe fürs Leben bekommen kann. Nun sitzt er HSI-Projektleiterin Andrea Wetzlmair in ihrem Büro gegenüber. Sie kümmert sich um eine Stelle für Steffen, wo er seine Arbeitsstunden ableisten kann. Und sie tut noch mehr: „Ich hätte niemals gedacht, dass ich Frau Wetzlmair noch so oft gegenüber sitzen werde, selbst nachdem meine Sozialstunden bereits abgeleistet waren“, erzählt Steffen und lächelt. „Frau Wetzlmair begleitet mich auf meinem Weg zurück in ein lebenswertes Leben. Ich bin Vater einer wunderhübschen Tochter. Heute kann ich sagen, dass ich wieder einen sehr guten Kontakt zur Kindsmutter habe und meine Tochter alle 14 Tage sehe. Ich bin im ersten Jahr meiner Privatinsolvenz und arbeite in der KITA Breese, einer Maßnahme der Arge. Ich bin froh darüber, die Unterstützung von Frau Wetzlmair vom HSI-Team erhalten zu haben. Heute fühle ich mich wieder wie ein Mensch und bin stolz darauf, dass ich mit beiden Beinen im Leben stehe.“

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